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Sevilla - La Feria de Abril
Holger kommt. Es ist nicht das erste Mal, dass wir zusammen nach Spanien fahren. Und wir waren auch schon beide in Sevilla. Aber unser erster gemeinsamer Spanientrip liegt schon 14 Jahre zurück. Und in Sevilla waren wir bisher nur unabhängig voneinander. Holger zuletzt bei der Hochzeit von Myriam und Pierre, die mittlerweile hier leben. Und bei denen und mit denen wir nun eine wunderbare Woche verbringen.
Wunderbar vor allem, weil Myriam uns mitgenommen hat zur Feria de Abril. Das Stadtfest hat zwar durchaus eine gewisse Ähnlichkeit zum Oktoberfest in München. Schließlich finden beide auf einer großen “Wiese” statt, beide bieten eine riesige Kirmes mit den üblichen Highlights und bei beiden finden die eigentlichen Feiern in Zelten statt. Das wars dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Denn anders als in München sind die rund 160 Zelte auf der Feria bis auf ein paar Ausnahmen nicht öffentlich. Sie werden stets von einer Freundesgruppe, Nachbarschaften, Kollegen, Großfamilien oder ähnlichem organsiert. Und nur wer dazu gehört oder von einem dazugehörigen eingeladen wird, darf rein. Man könnte das elitär nennen. In Wirklichkeit wird so aber die Orginialität des Festes bewahrt.
Eingeladen aber wird gerne. Zumindest wenn ein Einheimischer einen anderen trifft. Und dann dürfen auch gern die mitgebrachten Freunde mit ins Zelt. Dort wird man erstmal mit Manzanilla berauscht. Weil die Spanier aber eine Woche lang durchhalten müssen, wird dieser spezielle Weißwein auf der Feria heutzutage in der Regel mit Sprite gestreckt. Das ganz nennt sich dann Rebujito. Zur spanischen Gastfreundschaft gehört übrigens, dass sie auf Gegenseitigkeit beruht. Wer also das Glück hat, in ein Zelt eingeladen zu werden, sollte sich nicht scheuen, spätestens bei der zweiten Runde an die Bar zu gehen, eine Karaffe Rebujito zu kaufen und selber eine Runde zu spendieren.
Wichtiger als das Trinken ist aber die Musik. Manchmal kommt sie schlich vom Band. Häufig aber wird sie live von einer kleinen Band gespielt. Immer aber sind es Sevillanas. Das sind volkstümliche Lieder mit je drei Strophen. Jede Strophe besteht aus drei Teile, zu denen es wiederum je eine bestimmte Tanzfigur gibt. Denen folgen die stets parallel stehenden Paare mit wunderbarer Exaktheit. Da die Frauen ihre auffällig bunten und häufig gepunkteten Flamencokleider und die Männer meist stilvolle Anzüge tragen, ergibt sich bei den schwungvoll und zugleich mit großer Körperanspannung durch den Saal geworfenen Armen ein äußerst eindrucksvolles Bild, das durch die kleinen Unterbrechungen zwischen den Strophen noch abgerundet wird. Denn die kurzen Zwischenspiele der Musiker nutzen die Tänzerinnen und Tänzer meist für ein kurzes aber intensives Schwätzchen mit dem benachbarten Tanzpaar, bevor dann pünktlich zum Beginn der nächsten Strophe der Reigen der Tanzfiguren wieder mit großem Ernst aufgenommen wird.
Zu den typischen Rhythmusinstrumenten gehört neben einer Holzkiste, die als eine Art Basstrommel geschlagen wird, auch die Cana, ein etwa ein Meter langes Rohr, das etwa im Verhältnis zwei zu eins längs gespalten ist und durch spezielles Handbewegungen zum Klappern gebracht wird. Wer mehr wissen will, muss Holger fragen, der sich mal wieder als musikalisches Naturtalent bewies und spätestens am zweiten Abend die Einheimischen mit seinen Cana-Künsten zu beeindrucken wusste.
Ansonsten sind die Sevillanos sehr tolerant. Sie freuen sich, wenn man zumindest versucht, die Sevillana zu tanzen, auch wenn das Ergebnis nicht ganz so geschmeidig wirkt. Und sie akzeptieren sogar, dass man (in diesem Falle: Herr O.) ein angebotenes Glas puren Manzanilla ablehnt und stattdessen ein Bier verlangt. Dann bekommt man sogar hinter vorgehaltener Hand das Geständis des Einheimischen zu hören, dass er das ganze Jahr über nie und nimmer Manzanila trinken würde, weil es ihm eigentlich auch nicht so besonders schmeckt. Nur während der Feria, da regiert die Tradition! auch im Glas.
ACHTUNG: Auf dem Festgelände herrscht ein hohes Kutschen- und Pferdeaufkommen. Es gibt Rollstuhlfahrer, die das irritiert. Ansonsten gilt: Das gesamte Festgelände inklusive der Zelte ist ebenerdig und somit rollstuhlgängig!
14.4.2008 bei 21:58
[…] wer im April kommt, kommt an der Feria sowieso nicht […]