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Lima II
Er hupt. Einmal. Zweimal. Dreimal. Kurz. Laut. Dann zieht er rueber auf die linke Spur. Ohne Ruecksicht auf die dort Fahrenden. Es geht ein paar Meter weiter. Dann wieder zurueck auf die rechte Fahrbahn. Zwischen die anderen unzaehligen Bussse, die sich auf der Avenida de Arequipa um Fahrgaeste pruegeln. “Arequipa, Arequipa, toda Arequipa”, ruft der Ayudante, der Schaffner, durch die meist offenstehende Tuer den Menschen am Strassenrand zu. Wer einsteigen will, winkt einfach. Feste Haltestellen gibt es kaum. Feste Fahrpreise gibt es laut Tarifaushang zwar, eine Fahrt soll je nach Uhrzeit und Laenge zwischen 80 Centimos und 1,50 Soles kosten. Tatsaechlich aber kostet sie immer ein Sol. Das ist einfacher. Und es eruebrigt die Diskussionen in den regelmaessig uberfuellten Minibussen, in die sich ab und an noch ambulante Haendler draengeln, etwa um Bonbons fuer 10 Centimos zu verkaufen. Oder Wassereis. Nach 45 Minuten Ruckelei durch den Stau erreichen wir die Altstadt. Wie lange wohl eine Fahrt quer durch die 8-Millionen-Metropole dauern wuerde?
Meine erste Strasse in der Altstadt ist die Avenida de la emancipacion. Nach ein paar Metern laeuft mir eine rund 50-jaehrige Frau ueber den Weg. Sie traegt ein rotes T-Shirt. Darauf steht: “I love my boyfriend”.
Die placa mayor ist abgesperrt. Als Fussgaenger kann man zwar aussen rum, aber der eigentliche Platz wird gerade gereinigt. Am Strassenrand stehen bewaffnete Polizisten und ein Wasserwerfer. Es hat kurz zuvor eine Demo vor dem Praesidentenpalast gegeben. Wofuer oder wogegen will oder kann mir niemand sagen. Weder Passanten, noch einer der Polizisten. Dafuer gesellt sich auf der Treppe vor der Kathedrale Pedro zu mir. Als ich mich als Deutscher zu erkennen gebe, fragt er gleich, ob ich aus Kaiserslautern komme. Das kennt er aus der Bundesliga. Und dass in Berlin “la hertha” spielt, weiss er genauso. Schliesslich schenkt er mir eine alte Ein-Sol-Muenze. Die ist zwar laengst nicht mehr gueltig, es gab seither zwei Waehrungsreformen, aber sie ist schoen. Im Gegenzug moechte er eine Euro-Muenze. Da ich keine dabei habe, gibt er sich auch mit zwei Nuevo Soles zufrieden.
Spaeter quatscht mich Jorge an. Er will sein Englisch ueben, sagt er und fragt das ubeliche: como te llamas? de donde vienes? Wir reden Spanisch. Erst als er mich mehrfach fragt, was ich denn von Schwulen hielte, besteht er darauf, dass ich auf Englisch antworte. Dann will er mir unbedingt seine Mailadresse geben, dafuer soll ich ihm in einen Laden folgen. Als ich dazu keine Lust habe, laesst er mich schliesslich stehen.
Mittags in einem der unzaehligen Restaurants - wie von Carlos empfohlen - Ceviche probiert. Als Vorspeise eines Menues fuer 5 Soles (was etwa 1,25 Euro entspricht). Ceviche entpuppt sich als Mischung kleingeschnittener frischer Fische auf Zwiebeln. Als Hauptgang gibt es einen seltsamen fritierten Fisch. Als Getraenk kommt statt der bestellten Cola ein Glas mit verwaessertem Fruchtsaft. Das sind ungefaehr drei Dinge auf einmal, die meiden soll, wer seinen Magen liebt. Aber ich kann ja schon aus Gruenden der Hoeflichkeit nicht alles zurueckgehen lassen. Mein Magen besteht die Probe ohne Probleme.
Abends noch in Miraflores in einer Kneipenstrasse ein Bier getrunken. Es kostet 10 Soles. Offenbar ist dies tatsaechlich der Ortsteil der Betuchten. Das erkennt man schon im Supermarkt. Dort gibt es nicht nur Zucker und Reis und Marmeladen lose zum Abfuellen, sondern- schoen praesentiert auch frisches Flensburger Pilsener. Auch schoen: in der Obstabteilung wird man vor dem Bananenstand gefragt, wofuer man die platanos denn haben wolle- Zum Kochen? Zum Essen? Oder zum Saftmachen? Und je nach Antwort bekommt man gruene, gelbe oder fast schon braune Fruechte.
28.2.2008 bei 20:07
[…] in der Alstadt werden wir von einem Tyen angesprochen, der Pedro (siehe Lima II) sehr aehnlich sieht. Als wir uns als Deutsche zu erkennen geben, fragt er ob wir aus […]
11.4.2008 bei 16:20
Toller Reisebericht amüsant zu lesen.