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5 Stunden Bogota
Frueher war alles einfach. Man setzte sich in den Flieger und guckte die Filme weg, die da kamen. Und im Anschluss durfte man lauthals leiden und stoehnen ueber dieses unertraegliche Programm , das einen ueber den Atlantik begeleitet hat. Der Nachteil dabei: irgendwie kam immer Mr. Bean. Der Vorteil: Man durfte ohne weiteres die Mitssprachekompetenz fuer das Gespaech ueber den letzten Mist aufbauen. Schliesslich gab es im Flugzeug kein Entrinnen, und somit die perfekte Entschuldigung. Fliegen war Bildungsurlaub.
War.
Denn mittlerweile gibt es kaum noch diese Art der allgemeinen Zwangbeglueckung im Grossraumflugzeug. Individualism rules! Jeder hat seinen Minibildschirm in der Rueckenlehne vor der Nase und ist sein eigener Programmgestalter. Das mag das Fliegen an sich tatsaechlich angenehmer machen. Denn Mr. Bean ist weg. Aber auch die einmalige Moeglichkeit unschuldig Trashwissen aufzubauen.
Zum Glueck hocke ich jetzt stundenlang auf dem Flughafen in Bogota, warte auf den Anschluss nach Quito und niemand ist da, mit dem ich aus lauter Verlegenheit ueber das transatlantische Kinoprogramm reden wuerde. Zum Glueck. Denn ansonsten hat dieser Flughafen - zumindest sein Transitbereich - nichts zu bieten. Den ueblichen Duty Free Kram. Rum und Kaffee und falsche Diamanten. Und ein paar Baenke, auf denen man die Fuesse hochlegen kann, waehrend draussen die Sonne untergeht. Nicht mal das Internet geht. Ist gerade ausgefallen, sagen die freundlichen Damen am Serviceschalter. Und damit geht es dem Internet so aehnlich wie meinem Spanisch. Die Menschen hier reden auf mich ein und ich verstehe - nichts. Und wenn doch, dann eher aus dem Zusammenhang. Wenn ich gerade an der Passkontrolle stehe, ist es nicht schwer zu verstehen, dass derMensch auf der anderen Seite des Schalters meinen Pass haben will. Aber sonst? Ich hoffe, es ist nur eingerostet und geht dann irgendwann doch wieder. So wie das Internet.
Eins aber ist gut am technischen Fortschritt. In dem persoenlichen Minibildschirm im Flieger kann man nicht nur Filme waehlen. Sondern auch Musik. Und da gibt es neben dem neusten aus der afrikanischen Popmusik auch richtig wunderbar olle Kamellen. “Zuma” zum Beispiel, eine uralte Platte von Neil Young, die damals stundenlang meine Jugendzeit untermalt hat, vor allem dieses eine Stueck, das mit einem schier unendlichen, scheppernd schmerzhaft schoenen Gitarrengedaengel beginnt, bis dann der Saenger doch noch einsetzt und die Gitarre, fast beleidigt klingend, nur noch ein wenig im Hintergrund schrammelt. Ich hatte erst Jahre spaeter erfahren, dass Gitarrist und Saenger in diesem Fall eine Person waren. Aber das ist eigentlich gerade voellig unwichtig. Wichtig ist nur: Das Stueck heisst “Cortez the killer”, besingt den grausamen spanischen Suedamerikaeroberer und ich habe es justament gehoert, als die Kueste des Kontinents in Sicht kam.
Fliegen kann toll sein. Und Gitarrenmusik erst.
1.2.2010 bei 18:29
Neugierig auf deine weiteren Südamerika-Berichte und mit allen guten Wünschen für aufregende oder auch geruhsame Erlebnisse grüßen dich
Mapa
1.2.2010 bei 19:02
Wollte gerade schreiben “Schön das Du da bist” aber da fiel mir ein das es wohl kaum ums ankommen geht sondern um das Reisen.
Auch weiss ich das Du nie vergisst das fremde Menschen vielleicht nur einen Schluck von Deinem Wasser haben möchten und nicht Dein Leben wenn Sie Dich ansprechen.
Eine Gute Zeit und viele Erfahrungen von der Sorte die man nie vergessen möchte.
Grüsse Frank
PS Ich glaube ich habe “Cortez the killer” das letzte mal im “Bergwerk” gehört. Und dank Dir und itunes gerade wieder.