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Ein Sonntag in Quito
Sie biegen sich. Sie schlurfen. Sie schleifen die Fuesse uebers Pflaster. Sie tanzen Tango. Vorm Cafe del Teatro. Fuenf Paare. Manchmal sechs. Und der Rest der Welt bleibt stehen und schaut zu. Es ist Sonntagnachmittag in Quito. Und es ist das Ende eines ueberraschend stillen Tages.
Quito. Eine Millionenmetropole in Suedamerika. Bei weitem nicht so gross wie Mexiko-Stadt oder Lima. Aber dennoch haette ich eine laute, pulsierende Stadt erwartet. Und nicht das hier. Ab und an gibt es tatsaechlich Laerm. Wenn einer der Flieger vom laengst in die Stadt hineingewachsenen Flughafen startet. Aber sonst? Die historische Innenstadt ist heute nahezu komplett fuer Autos gesperrt.
Eine Route ist speziell fuer Radfahrer freigehalten. Und die strampeln kraeftig mit ihren Mountainbikes durch die nicht gerade flache City. “Das ist jeden Sonntag so”, erkaert einer der vielen Polizisten, die aufpassen, dass die abgesperrte Route auch tatsaechlich nur von Fahrradfahren genutzt wird.
Auch der Rest der Altstadt ist einfach nur entspannt. Zwar sind tausende Menschen, offensichtlich zumeist Einheimische, unterwegs. Touristen sind eine echte Ausnahme. Zwar haben die meisten Geschaefte geoeffnet.
Zwar gibt es auf den grossen Plaetzen und vor allem auf der Plaza Grande kaum einen freien Platz auf einer der zahlreichen Baenke. Zwar wuseln ueberall sehr junge Jungs herum, die einem fuer 10 Cent die Schuhe putzen wollen (der US-Dollar ist hier offizielle Landeswaehrung). Zwar gibt es einen Prediger am einen Platzende, eine christliche Gesangsgruppe am anderen und einen Kinderclown an der dritten, der mit Abstand am meisten Zuschauer hat. Nur eins fehlt: die Hektik.
Man schlendert. Man steht gern einfach mal im Weg. Man legt ein Paeuschen ein im Palast des Erzbischofs, der zum Grossteil zu einem Einkaufszentrum umgebaut ist, in dem sich ein Patio mit Kulturbuehne befindet, auf der gerade die Panfloetenband rockt, rockt?, ja, rockt! Man bewundert die ueber und ueber mit Gold geschmueckten Kirchen. Man geht um eine Ecke und steht ploetzlich in einem dieser Maerkte, wie es sie auch in La Paz gibt. Eine enge Strasse, die komplett ueberdacht ist und einen kaum mehr als einen Meter breiten Gang zwischen den fest installierten Staende laesst, an denen es Schuhe, Schuhe und Schuhe gibt - und hinten in dem Seitenstraesschen auch Waschmaschinen und Handyzubehoer natuerlich. Nur eins fehlt auch hier: die Hektik. Man ist gelassen. Man wird gelassen. Man geht bergauf. Man geht bergab. Man ist entspannt. Es ist Sonntag in Quito.
Keine Ahnung, ob das immer so ist. Oder ob die Welt am Montag schon komplett anders aussieht. Und ob ich der Stadt nicht unrecht tue, schliesslich gibt es in Mariscal, dem Kneipen und Disko und Hostalviertel in der Neustadt eine Samstagnacht, bei der deutsche Laermschutzbehoerden mit mehreren Hundertschaften einruecken wuerden.
Aber was spielt das jetzt noch fuer eine Rolle. Es ist Sonntag. In Quito. Der gelassensten Millionenhauptstadt des Kontinents. Und die Menschen tanzen Tango, oben auf der Plaza del teatro. Sie biegen sich. Sie schlurfen. Und der Rest der Welt bleibt stehen. Denn Abbremsen faellt leicht, wenn man eh nur schlendert.
PS: 22 Grad. Leicht bewoelkt.
PPS: Die Sonntagsausgabe von El Comercio widmet auf der Sportseite einen 15-Zeiler der deutsche Fussballbundesliga. Gemeldet wird als einziges Ergebnis, dass Mainz gegen Bayern Muenchen verloren hat. Das ist fuer hiesige Leser interessant, weil bei bei Mainz ein Ecuadorianer spielt - bzw. wie dann am Ende des Textes auch noch vermerkt wird, nicht spielt. Zumindest diesmal nicht. Aber wichtig ist es trotzdem.


1.2.2010 bei 08:47
Da wird man alleine bei den Temperaturen neidisch.
Ich wünsche Dir eine aufregende Reise und freu’ mich mehr zu lesen.