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Gocta. Wasserfall hinter dem Regen
Wenn ich schon mal so Erfolg mit spontanen Entschluessen haben, dann probier ich mein Glueck gleich nochmal. Wie am Freitag gehe ich auch am Samstagmorgen zu meiner Lieblingstouragentur an der plaza de armas in Chachapoyas und buche mal eben den Tagestripp zum Wasserfall Gocta. Das stellt erstmal meinen freundlichen Agenten vor ein Problem. Denn offensichtlich hat er keinen Platz mehr in einem der Minibussse. Aber weil zufaellig noch eine Frau aus Lima genau dieselbe Tour machen will, organisiert er schnell ein Auto.
In dem sitze ich dann wenig spaeter mit der Frau aus Lima, die sich als Wissenschaftlerin namens Dalila entpuppt. Ausserdem steigen noch Maria und Juan zu, die ich ja am Vortag schon in Kuelap kennengelernt hatte.
Alles prima also - bis auf das Wetter. Denn diesmal regnet es. Nicht gleich am Morgen bei unserer Abfahrt. Auch nicht im schluchtartigen und aeusserst sehenswerten Tal des Rio Uctubamba, durch dessen Kurven unser Fahrer mit quietschenden Reifen braust. Doch sobald wir in das Seitental einbiegen, an dessen Ende der Gocta wartet, giesst es in Stroemen. Zum Glueck kann man am Eingang zum Park Regenponchos leihen. Und so schlicken wir durch den Schlamm bergauf und bergab. Zum Glueck hoert es dann doch wieder auf Regnen und wir werden nach fast dreistuendigem Wandern erst wieder im Talkessel des Gocta nass, der ueber zwei Stufen insgesamt 700 Meter in die Tiefe stuerzt. Der Wasserfall ist im Wortsinn eine Wucht. Unten produziert er einen heftigen Wind und oben am Himmel einen eigenen Regenbogen, den man nach Auskunft unseres Fahrers stets bei Sonnenschein selbst vom etwa 30 Kilometer Luftlinie entfernten Chachapoyas sehen kann.
Auf dem Rueckweg zerfaellt unsere kleine Wandergruppe etwas. Maria und Juan leisten sich Pferde, Dalila kann auch nicht mehr, mag aber auch Pferde nicht und faellt mit unserem Guia Pedra weit zurueck. Und ich finde mich inmitten einer parallel laufenden Gruppe wieder, die vor allem durch ihre Leiterin ueberzeugt. Denn die Mittvierzigerin kennt offenbar nicht nur jede Pflanze am Wegesrand und deren Heilwirkungen, mit denen sie beispielsweise die frischen Striemen auf dem Arm einer jungen Franzoesin heilt. Sie ist zudem ein ebenso gluecklicher wie glaeubiger Mensch. Und sie kann bei einer kleinen Rast, derart ueberzeugend von ihrem Lebenskonzept der Naechstenliebe schwaermen (”todo es el amor”), dass es selbst die mitwandernden Unglaeubigen umhaut.
Nach insgesamt fast sieben Stunden sind wir zurueck in dem kleinen Dorf, in dem neben unserem Taxifahrer auch noch ein spaetes Mittagessen wartet. Und ein optische Ueberraschung. Vom Dorffussballplatz, der am Morgen noch von Regenwolken umgeben war, sieht man nun in scheinbar greifbarer Naehe den Wasserfall! eigentlich gut, dass das am Morgen nicht so war. Sonst waere ja die ganze Spannung weg gewesen.
Abends dann multikulti in Reinkultur: zusammen mit der Zweitwandergruppe essen gewesen. Am Tisch: Roxanne, eine Studentin aus Paris, die hier in Naturreservaten Praktika macht. Bea, eine Ex-Journalistin aus Marseille, die sich nun auf Gesundheitsmassagen spezialisiert hat. Gerfried, ein Reiseleiter aus Wien, der sich mit Leihwagen durch Peru schlaegt. Auf dem Tisch: chinesischen Essen auf peruanisch. Oder umgekehrt. Das gibt es hier in den so genannten Chifas, die von chinesischen Einwanderern betrieben werden. Das Highlight: Huhn mit Ananas. Ueber dem Tisch: Franzoesischer Kauderwelsch mit spanisch-deutschen Einschlag. Lecker.
PS: Fast haette ich die Hunde vergessen, die den halben Weg mitgewandert sind. Nette stille Begleiter, die den Ruf ihrer Art ein wenig aufmoebeln. Sie leben offenbar bei einer kleinen Huette am Wegesrand, in der den Wandernern Getraenke geboten werden Darunter eine Art fermentierter Zuckerrohrsaft. Erstaunlich unsuess.
