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„African Queen“ von Helge Timmerberg

Helge Timmerberg ist ein Reisender. Und ein Schreibender. Die Kombination allein macht ihn schon mal sehr sympathisch. Zumal die Texte in seinen Bücher vergnüglich geschrieben sind. Für sein neustes Buch „African Queen“, das kürzlich als Taschenbuch erschienen ist, ist er nach – klar – Afrika gefahren. Vor allem nach Ostafrika. Nach Malawi, Mosambique, Tansania, Uganda. Auch von einem kurzen Abstecher nach Burkina Faso und Senegal ganz im Westen des Kontinents wird berichtet. Unterwegs trifft er auf traumhaft gelegene Lodges, enttäuschende Operndörfer oder allgegenwärtige Verweise auf die Kolonialgeschichte – auch die deutsche. Er kämpft er mit kaputten Motoren, wirksamem Vodoozauber, der Angst vor dem großen Krokodil und der Malaria. Viel mehr aber beschäftigt ihn eine andere Krankheit, die den Reisenden arg trifft: Die Liebe.

Denn der Endfünfziger Timmerberg hat sich mit Lisa zusammengetan, einer 25 Jahre jüngeren Frau. Die ist für ihn zum einen der eigentlichen Anlass, sich endlich einmal mit Afrika zu befassen. Zum anderen aber auch ein Hemmschuh. Denn Lisa, oder vielmehr die Liebe zu ihr, stellt seine Freiheit in Frage. Ihr Traum: ein Jahr am Malawisee verbringen. Sein Traum: Weiterziehen.

Das ist ein echtes Problem. Denn Freiheit ist schließlich die Grundlage allen Reisens, zumindest des Alleinreisens, also für die Form, die ein fast schon manisch Getriebener wie Timmerberg  vielleicht nicht immer bevorzugt, aber doch meistens praktiziert hat.

Dieser Konflikt ist das Hauptthema des Buches. Und es ist seine eigentliche Stärke. Denn Timmerberg schreibt nie nur Reisereportagen. Er schreibt  vor allem über sich als zentrales Element aller Reisen. Schon immer. Um das zu erkennen muss man nur seine 2001 erstmals erschienenen Textsammlung „Tiger fressen kleine Yogis“ lesen. Es genügt das erste Wort die ersten Textes. Es hat drei Buchstaben und lautet: „Ich“.

Man kann das als egozentrisch bezeichnen. Und wer tatsächlich Texte über die Ziele lesen will, in denen besuchte Kulturen, Menschen, Landschaften im Mittelpunkt stehen, der ist falsch bei Timmerberg. Dafür erfährt man viel darüber, wie eine Reise einen Menschen verändert. Wie sie ihn beindruckend, Prellungen hinterlässt, körperlich wie mental.

Und darum geht es doch beim Reisen. Man will zurückkommen, voll mit Geschichten. Und ein kleines bisschen auch als – nein, nicht neuer, aber vielleicht doch erfahrenerer Mensch.

Bei Timmerberg geht es so weit, dass er durch diese Afrika-Reise sein Lebenskonzept an sich in Frage stellt. Das Reisen. Er hat Heimweh. So sehr, dass nicht einmal ein Ausflug in die deutsch anmutenden Mischwälder der Usambara-Berge in Tansania beruhigt. Und er fühlt sich alt.  So sehr, dass ihn diese Erkenntnis ausgerechnet im Anblick der Pyramiden in Kairo bedrückt.

Fast liest sich das Buch wie ein Alterswerk. Ein abschließender Bericht eines müde gewordenen, der fast die ganze Welt gesehen hat und nun nur noch nach hause will.

Aber eben nur fast.

 

 

 

 

 

One response to “„African Queen“ von Helge Timmerberg”

  1. […] Ransmeyr ist ein Reisender. Und ein Schreibender. So wie Helge Timmerberg. Und wie Timmerberg auch ist ein Wort in seinen Texten extrem wichtig. “Ich”. Für den […]

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