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Bogota. Es wird Regen geben

Es wird Regen geben. Gewitter. Und Sturm vielleicht auch. Sagt der Wetterbericht für Bogota, den ich heute morgen bei Twitter gefunden habe. Als ich gestern kurz vor Mitternacht nach einer fast 24-stündigen Reise über Kolumbien eingeschwebt bin, gab es ein wildes Geblitze am Himmel, weit weg, irgendwo im Westen.

Und jetzt türmen sich die grauen Wolken über der Plaza del Periodista, unterhalb der steilen Hänge, die die Stadt begrenzen. Es ist drückend warm, nicht heiß. Meine Beine sind schon müde nach dem ersten Rundgang. Oder noch von der langen Reise. Die Luft ist etwas dünn hier auf knapp über 2000 Meter Höhe. Dabei bin ich aus Bolivien doch eigentlich anderes gewohnt. Der erste Tag halt.

Das viel zu teure Taxi fuhr durch eine hässlich holperige Millionenstadt. Dunkel und wenig einladend. Nicht sehr vertrauenerweckend. Umso schöner dann heute morgen der erste Spaziergang durch La Candelaria, das am Hang liegende historische Zentrum. Ein paar alte, kleine, farbige Häuser, jede Menge Cafés, alles sehr entspannt und ruhig. Ein paar wenige Straßenzüge nur, aber immerhin. Je höher man kommt, desto hippie. Junges Volk, Rastas über bunten Klamotten, die entsprechenden Cafés, man kann sich gut vorstellen, was hier nachmittags oder abends los sein wird.

Ein erstes Lächeln auf meinen Lippen, das Wiedererkennnen der schönen Seite einer lateinamerikanischen Stadt mit kolonialer Vergangenheit. Trotz der Hochhäuser, die sich mit den benachbarten Berge streiten. Weiter unten, westlich der weitläufigen Plaza Bolivar, dem Zentrum der offiziell Altstadt mit und Kathedrale mich einer der Polizisten an, die hier an jeder Ecke stehen. Freundlich empfiehlt er mir den Besuch des Polizeimuseums, gleich hier um die Ecke.

Aber ich will erstmal die Stadt sehen. Da unten, sagt er dann und zeigt auf das Viertel hinter der nächsten breiten Querstraße, da müsse ich vorsichtig sein. Er verabschiedet sich auf Deutsch mit „tschüss“ und mit einem Lächeln, ich packe die Kamera weg und stürze mich in den Trubel.

Wie auf einen Schlag ändert sich du Stadt. Die Straßen sind dichtgefüllt mit Händlern, die Röcke an Schaufensterpuppen, kistenweise Handschuh für weniger als einen Euro, T-Shirts, Schuhe, Anrufe auf dem Handy, Gebäck, Kleider, Mäntel und jeden denkbaren Krimskrams anbieten. Dazwischen locken die Besitzer der Läden mit per Lautsprecher verkündeten Sonderangebote die Passanten von der Straße, auf der am Ende ein paar Obdachlose in Pappkartons vor einer Baustelle schlafen.
Vor ein paar Tagen, das habe ich vorhin gelesen, ist hier eine Demonstration gegen den neuen, rechten Bürgermeister eskaliert. Der ist erst seit Anfang Januar im Amt und greift ordentlich durch. Er hat die Gesundheitsversorgung in einem Krankenhaus verbessert, auf einer der Hauptstraßen eine Autospir in einen zweispurigen Radweg umdefiniert. Und er will auch gegen die vielen Straßenhändler vorgehen. Letzteres sorgt für Unmut. Bei der Demo soll es hart zur Sache gegangen sein. Es gab viele Verhaftungen und Verletzte, auch bei der Polizei.

Um die Ecke vom Marktviertel bieten gleich mehrere Sattler ihre Dienste an einer vielbefahren Avenida an, andere haben moalles für das Gallo Fino, das schöne Huhn an – was ihr so eine Art Züchterhobby zu sein scheint. Ein auffällig gut gekleideter Anzugträger steht vor einem Laden. Aus seiner Hosentasche baumelt ein Maßband. Als ih vorbeikomme, bietet er mir an, einen Anzug zu schneidern, ein Hemd, ein Jackett. Hier wirbt der Schneider noch mit sich selbst.

Ich lasse mich treiben, durch die wahrlich nicht schöne Stadt, aber das Leben, dass hier auf der Straße drängelt, ist wunderbar. Es wird Regen geben, aber das ist egal, ich hab ja eine Regenjacke. Und jetzt brennt erstmal die Sonne.

Und außerdem eine Verabredung mit Philippe, einem Franzosen, den ich vor über 15 Jahren in Cádiz kennengelernt habe. Beim Reisen. Und den ich jetzt wiedertreffe. Beim Reisen.

2 Responses to “Bogota. Es wird Regen geben”

  1. […] knapp vier Wochen das erste Mal in Bogota ankam, erschien mir die Stadt unwirtlich und abweisend. “Dunkel und wenig einladend”, schrieb ich damals. Nicht sehr vertrauenerweckend. Bei der Fahrt vom Flughafen in das Altstadtviertel La Candelaria […]

  2. […] die für mich überraschend interessante Hauptstadt des Landes. Ich hatte keinerlei Erwartungen und habe dann nicht nur die […]

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