grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Campeche. Schön langweilig

Hübsch hier.

Damit ist eigentlich alles gesagt über Campeche. Die Stadt liegt unmittelbar an der Westküste Yucatans, hat aber keinen Strand. Das historische Zentrum ist perfekt herausgeputzt, ausnahmslos alle Häuser im kolonialen Stil sind frisch gestrichen, blau, grün, gelb, rot, brau, in blassen Farbtönen, die kleinen Straßen sind frisch. An der Plaza steht ein großer Palast mit zweistöckiger Bogenfassade, auf die fast jeden Abend eine halbe Stunde lang ein spratzbuntes Bild der Stadtgeschichte projiziert wird. Auch die Reste der Stadtmauer sind restauriert und teils begehbar. Kein Wunder, dass die Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Man kann hier wunderbar durch das Viertel streifen. Das ist es dann aber auch schon.

Die ganze Stadt wirkt sehr aufgeräumt, vielleicht ein wenig zu sehr. Nicht allen gefällt das. An einem Haus hängt ein Plakat auf dem auf Spanisch und Englisch sinngemäß steht: ich wohne schon immer hier, niemand hat mich gefragt, was ich von der Modernisierung halte, also lässt mich in Ruhe. Und in der für den Autoverkehr gesperrten Calle 59 protestieren gleich mehrere Anwohner gegen die Schließung ihrer Straße.

Auf der haben mehrere kleine Restaurants und Cafés Tische und Stühle aufgestellt. Dazwischen steht alle paar Meter eine Skulptur. Die gehören zu einer Freiluftausstellung, die noch bis Ende Januar zu sehen ist.

Aber auch sonst hat die Stadt ein Herz für Skulpturen, die weniger die üblichen Helden, sondern die alltäglichen Menschen zeigen. So stehen allein auf der Straße vor der Kirche vier Figurengruppen. Zwei davon zeigen sehr abstrakt Familien, bei einer hält das Kind auf dem Schoß der Mutter ein Eis in der Hand. Weiter rechts steht, eher einer Karikatur gleichend – ein älteres Paar, sie im Ausgehkleid, er mit Smoking und Zigarre in der Hand. Am Meeresufer hockt auf einem Steinhaufen eine überdimensionale junge Frau und schaut Richtung Sonnenuntergang. Auf einem Platz neben einem Brunnen stehen zwei sehr dynamisch wirkende Jungen.

Mir am besten gefallen haben jedoch zwei Bronzefiguren, die offensichtlich von dem selben Künstler stammen. Die eine steht auf der Plaza und zeigt einen schlendernden Mann in sehr einfacher Kleidung, der eine Art Holzgatter geschultert hat. Der andere steht an die Stadtmauer gelehnt, neben einer Kisten mit Fischen. Beide haben sehr ausdrucksstarke Gesichter. Auch Haltung und Platzierung der beiden Figuren sind sehr stimmig.

Ein kleines kulturelles Highlight ist das noch das Museo de Arquitectura Maya in einem alten Gebäude innerhalb der Stadtmauern. Hier kann man genau 17 reich mit Figuren und Schriftzeichen verzierte Steinblöcke bewundern. Leider fehlt jegliche Erklärung dazu. Die kommen alle von Ruinenstätten hier in der Umgebung, sagt mir ein Aufpasser. Mehr weiß er allerdings auch nicht.

Abends hätte ich eigentlich gern mal wieder ordentlich mexikanisches Essen von einem Straßenstand gehabt. Aber wie gesagt, die Altstadt ist sehr aufgeräumt, so was findet sich hier nicht. Irgendwann hab ich die Suche aufgegeben und mir einen Salat gegönnt bei fresh’n’green, offensichtlich eine Kette, bei der man sich seine persönliche Salatmischung zusammenstellen lassen kann. Mal was anderes. Gesund’n’lecker.

Gleich nebenan hatte ich nachmittags schon in der Chocolateria endlich mal eine heiße, mexikanische Schokolade getrunken, in einem Trog an meinem Tisch von der Kellnerin frisch angerührt, bevor sie eingeschenkt wurde.

Und am zweiten Tag? Spaziergänge am Meer! Am Malecon, der Uferpromenade mit Fußweg, Joggerpiste, zweispurigem Radweg, Palmen und leider auch viel Verkehr auf der direkt daneben liegenden Straße kann man eine Stunde Richtung Norden schlendern. Viel zu sehen gibt es nicht. Ein Strand fehlt fast überall, ins Wasser gehen sollte man hier aber eh nicht, ein Schild warnt vor Gefahren für die Gesundheit, weil das Wasser so verschmutzt ist. An einer Stelle kann man sehen und riechen, dass hier Abwässer eingeleitet werden.

Begleitet wird man auf dem ganzen Weg von Pelikanen. Mal allein, mal in Ketten zu sechst, zu acht oder gleich im Dutzend segeln sie an der Küste entlang. Den Kopf auf den viel zu kurz wirkenden Körper gelegt, den nochmal so langen Schnabel voraus und die Flügel, deren Spannbreite bestimmt viermal so groß ist wie Rumpflänge, fast regungslos in den Wind gehalten.

Pelikane wirken ein wenig wie Tiefflieger und sie sind das ja auch, obwohl sie es mit der Jagd nach Fischen nicht ganz so ernst nehmen. Ich habe überhaupt nur ein einziges mal beobachten können, wie ein Pelikan die Flügel einklappt und sich kopfüber ins Meer stürzt.

Sie vergnügen sich offenbar lieber mit dem Rumsegeln. Oder sie hocken auf einem der zahlreichen Fischerboote herum, die noch weiter im Norden im Wasser dümpeln.

Gerade beschließe ich, Pelikane zu meinen neuen Lieblingsvögeln zu erklären, da fliegt mir einer knapp über den Kopf und pisst mir schwungvoll auf den Arm. Geht man so mit Freunden um?

PS: wie überall in Mexiko ist auch in Campeche die Polizei sehr präsent. Hier aber fährt sie nicht nur mit den wie üblich stets das Blaulicht anhabenden Autos rum, in der Altstadt düst sie auch noch mit einer Art Segway durch die Gegend. Anders als die zweirädrigen Dinger, auf denen Touris durch europäische Städte balancieren, haben die elektrischen Stehfahrzeuge der Polizei hier allerdings drei Räder.

PPS: Erst dachte ich ja, dass es in Campeche kaum wirkliches Nachtleben gibt und dass die Einheimischen sich deshalb abends in Sälen und Studios treffen, um zu laut auf die Straßen plärrender Musik zum aerobicartigen Salsasporttanz zu treffen. Dann ist mit aber doch noch aufgefallen, dass es außerhalb der Altstadt am Malecon Richtung Süden zahlreiche Bars, Restaurants, Clubs etc. gibt, wo es sogar Tacos gäbe. An einem frühen Dienstagabend war da zwar auch nichts los, aber am Wochenende dürfte die an diesem Abend am Ufer entlangjoggende Bewohnerschaft hier sicher ein wenig feiern.

Praktische Infos: hier.

3 Responses to “Campeche. Schön langweilig”

  1. […] hat das alles mit Emeline und Simon, dem Pärchen aus Paris, das ich in Campeche kennengelernt hatte und mit dem ich auch Palenque besucht […]

  2. […] am nächsten Morgen. Mit Simon und Emilianne, einem französischen Pärchen, das ich im Hostal in Campeche kennengelernt habe, habe ich mich gegen halb acht mit dem Collectivo auf den Weg gemacht. Mir […]

  3. […] Fahrt von Merida nach Campeche dauert mit ATS knapp drei Stunden und kostet 158 Pesos. Vom außerhalb liegenden Busbahnhof fahren […]

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