grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Canon de Colca

Der Canon und der ReisendeUnd dann reisst der Nebel auf und erlaubt einen kurzen Blick auf die Oase tief unten im Tal. Und dann ruft ein paar Meter weiter unten ein Indio-Junge und zeigt in den Himmel. Und tatsaechlich schwebt er vorbei, geraeuschlos, gross und schwarz: der Condor. Und nun ist klar, wir werden alle runtergehen, auch Linde, der es eigentlich gar nicht gut geht.

Aber wer so weit gekommen ist, kann nicht mehr umkehren. Erst ging es mit dem Bus von Arequipa (2300 Meter ueber dem Meer) hoch auf einen 4900 Meter hohen Pass, vorbei an Alpaca-Herden auf den nebligen Pampa. Dann nach insgesamt vierstuendiger Fahrt wieder runter nach Chivay (3600 m). Dort in der Stadt am Anfang des Canon de Colca wollten wir eigentlich bleiben, um zu gucken, ob man ueberhaupt in den Canon kommt – bei dem Wetter. Denn schon ueber Arequipa hingen dicke Wolken. Die Berge waren nur noch durch Nebel zu erahnen und auch in Chivay ist nu alles grau. Wir steigen gleich in den naechsten Bus und fahren weiter nach Cabanaconde, nochmals drei Stunden ueber eine ruckelige Schlaglochpiste immer entlang der Kante des Canons. Tief unten gurgelt der wilde Fluss. Auch in Cabanconde ist Nebel. Und mittlerweile auch tiefschwarze Nacht. Ich habe mittlerweile das Gefuehl, dass wir fuenf, die einzigen Auslaender in dem sehr alten Bus, die verrueckten Touris sind, die sich auch durch die offensichtlichsten Anzeichen nicht von ihrem Wahnsinn abhalten lassen.

Aber im Hostal Valle del Fuego gibt es noch fuenf Betten – in einem urigen, sehr rustikalen Haus, vielleicht ein umgebauter Stall aus rohen Steinen. Sehr wunderbar, auch wenn sich im Laufe der Nacht die Wolldecken doch als leicht klamm und somit eher kuehlend denn als waermend entpuppen. Aber zum Glueck haben wir Schlafsaecke im Gepaeck.

Vorher aber gibt es Gemuesesuppe mit Pfefferminzeinlage, Spaghetti und Fleisch. Und Mate de Coca, die wie Gruentee schmeckt und gegen die leichten Anfluege von Hoehenunwohlsein hilft. Und es gibt Yamil, den Kerl mit dem lustigen Zottelbart hinter der Theke, der die Ankoemmlinge mit Essen und ausfuehrlichem Wissen ueber die Wanderung in den 900 Meter tiefen Canon abfuellt.

Kaktusblüte im CanonKati und Stephan im Pool der Oase Die ist wunderbar. So wunderbar, dass wir entgegen jeder Prognose vier Stunden brauchen. Schon weil wir alle fuenf Minunten eine Pause einlegen, um die Aussicht zu geniessen, einen der vorbeifliegenden Kondore zu bewundern oder um Kaktusblueten zu fotografieren. Unten in der Oase werden unser mueden Beine bei Sonnenschein mit einem Bad im Pool belohnt. Und unsere mueden Koerper mit der – wie oben von Yamil angekuendigt – comida basica: es gibt Suppe und danach Reis mit Kartoffelbrei und Paprika. Uebernachtung, Essen und Bier kosten jeweils 10 Soles. Auch die kleine Wasserflasche, die es ueblicherweise fuer 1 Sol gibt, kostet hier 5. Kein Wunder, alles was es hier gibt, muss mit Eseln heruntergebracht werden.

Linde und Stephan nach dem Abstieg Danach gibt es nur noch schwarze Nacht. Keine Sterne, keine Lampen, kein Strom. Ohne Taschenlampe wuerden wir kaum den Weg in unsere sehr einfachen Bambushuetten finden. Im Hintergrund tost der Fluss durchs Tal.

Die Hütte in der OaseAm naechsten Morgen starten wir schon um 6 Uhr. Denn wenn wir fuer den Abstieg 4 Stunden brauchen, so unsere Rechnung, benoetigen wir fuer den Aufstieg locker fuenf bis sechs. Linde geht es weiter nicht gut. Sie wird mit einem Esel den Aufstieg in zwei Stunden bewaeltigen, zusammen mit Stefan, dem Schweizer, der uns seit der Oase begleitet.

Kathrin, Titus und ich gehen zu Fuss. Nebel zieht auf. Die Aussicht lenkt nicht ab – und schon nach unglaublichen drei Stunden erreichen wir die obere Kante das Canons. Eine halbe Stunde spater sind wir wieder im Valle del Fuego, geniessen die heisseste Dusche von Lateinamerika und die nun schon beruehmten Spaghetti von Yamil.

Durch die Gassen erklingt fast froehliche Blasmusik. „Eine Beerdigung“, erklaert Yamil. Der Trauerzug zieht einmal um den zentralen Platz. Vorn die Kapelle, dann vier Maenner mit dem Sarg, dahinter weitere Maenner mit kleinen schwarzen Wimpeln an langen Holzstangen, zum Schluss die Frauen in ihren bunten Trachten, die die meisten Einheimischen hier stets tragen.

In jedem zweiten Haus von Cabanaconde befindet sich ein kleiner Lebensmittelladen. Jedes zehnte am Platz wird offenbar zum einem Hosatl aus- oder umgebaut. Den Touristen haelt auch die laengste Rumpelstrecke nicht auf. Denn es lohnt sich. Meine schmerzenden Beine wissen, wovon ich rede.

2 Responses to “Canon de Colca”

  1. Hi Gereon,

    als ob ich’s geahnt haette …

    ich freu‘ mich riesig auf mehr. und auch wenn es natuerlich noch keine bilder geben kann, habe ich „bilder“ vor augen.

    hab weiter eine tolle aufregende Reise und viele gruesse an deine beleiter.

    holger

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