grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Cádiz – nach dem Regen

Und dann ist wieder nichts passiert. In der Nacht hat es geregnet. Das Hemd von Herrn Oppermann braucht jetzt noch etwas Zeit zum Trocknen. Zeit für eine letzte, eine weitere Runde durch die Stadt, von der ich nicht genug bekommen kann. Zeit für einen Café con leche in der Bar an der Ecke. Der Kellner mit dem Gesicht eines Autosscooterkartenabreissers weiß schon Bescheid. Er zieht die Lippen mit der qualmenden Kippe hoch zu einem begrüßenden Lächeln.
Wir sind einen Tag durch die Altstadt spaziert. Dann saßen wir am Strand und die Sonne ging unter.

Herr Oppermann hat Fotos gemacht.

Wir sind am zweiten Tag in die Neustadt spaziert, draußen vor dem mächtigen Tore, die alles andere als schön ist, in der alles anders ist als im Centro historico. Breite laute Straßen anstelle von weitgehend autofreien Gassen. Hohe Wohnsilos mit sechs, acht, zwölf Geschossen und Meerblick, statt eng stehender Altbauten mit Charme und Schatten. Und ein Kilometer langer Sandstrand. Mit Bars, in denen man auch mit Rolli den Blick auf die Wellen genießen kann, hinter ein paar Sonneschirmen, unter einer Art Pergola, im leichten, kühlen Wind.


Abends sind wir dann wieder in der Altstadt gelandet, an der kleinen Bucht, der schon Halle Berry als Bond-Girl entstiegen ist, in der die Fischerboote dümpeln, solange die Ebbe ihnen das Wasser zu schaukeln lässt, in der sich ein Hochzeitspaar fotografieren lässt, wo ein deutscher Weltreisender seiner Tischnachbarin von seiner Zeit in Urugay vorschwärmt, in der die Kellnerin Bier mit Eisstücken bringt.


Dann geht schon wieder die Sonne unter. Herr Oppermann macht Fotos. Ich auch.


Es wird Zeit nochmal in die Manteca-Bar zu gehen. Wir haben die Tapas-Karte noch nicht durch.

Und dann ist es Morgen und Holgers Hemd trocknet. Zeit für einen letzten Rundgang. Zeit um die Bar zu finden, in der bei meinem ersten Besuch der Flamenco-Sänger krächzte bevor eine lange Nacht begann. Aber die Bar will sich nicht finden lassen. Zeit um den Frauen ins Gesicht zu schauen, ob eine von ihnen Carmen oder Patri ist, mit denen Philippe und ich vor gut 15 Jahren beim Karneval getanzt haben. Aber sie wollen sich nicht finden lassen, wie denn auch, ich wüsste nicht einmal, ob ich sie erkennen würde. Zeit die Immobilienangebote in einem Schaufenster zu studieren. Wiederkommen und bleiben für immer, auch wenn ich nicht ganz genau weiß warum. Außer dass sich diese Stadt anfühlt, wie ein alter, sehr geliebter und lange vermisster Pantoffel. Aber ich packe ihn wieder zurück, erstmal, tief hinten in den Schrank.


19 Grad sagt die blinkende Leuchtanzeige an der Apotheke gegenüber. Für die Jahreszeit sicher zu kühl. „Alimentacion Bar Casa Torres“ heißt der Laden weiter rechts. „La calidad y el servicio que usted merece“, verspricht das Ladenschild. Und Käse, Schinken, Wein vom Fass und das kälteste Cruzcampo. „Regalos. Articulos desde 100 Pesetas“, wirbt der Laden an der Ecke der Plaza Jesus Nazareno. Er ist zu, wahrscheinlich schon länger. Denn selbst für die billigsten Artikel wird auch hier schon lange nicht mehr in Peseten bezahlt. Tauben picken übers Kopfsteinpflaster. Ein Mann mit Rollkoffer klackert vorbei. Ein anderer hält eine Büromappe. Ein zerbeulter Lieferwagen wirbt für Catunambu – el café de andalucia. Die Frau mit dem Hund, irgendwie hat hier fast jeder einen Hund, steht auf und geht. „Adios guapa!“, ruft ihr der rauchende Kellner nach. „CHILL“, steht auf seinem T-Shirt. Zwei Radler mit Mountainbikes kommen von links. Ein Alter mit Baskenmütze und Krückstock von rechts. Und Sackkarren, immer wieder Sackkarren. Mit Bierkisten, Kartonbergen, schwarzen Säcken. Die junge Frau mit dem streng nach hinten geflochtenen Haar am Nachbartisch drückt ihre Zigarette aus und geht wieder in die Bar. „Ay, hombre!“, ruft der Barmann. Dann diskutieren sie über futbol. Barcelona! Madrid! Dabei ist das große Spiel, el classico, auch schon wieder vier Tage her. Irgendwer singt etwas über „la luna“.

Und dann ist es Zeit, es geht wieder weiter – nach Sevilla! Da soll es auch regnen, heute nacht

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