grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Guatapé: La Piedra y los Zocalos

Eine Freundin von Uriel meinte vor zwei Tagen ganz erstaunt, was, du willst nicht nah Guatapé fahren? Du willst nicht la piedra sehen, den größten Fels der Welt? Obwohl der doch gleich um die Ecke liegt?

Nun, das mit gleich um die Ecke ist immer etwas relativ. Erst hat mich morgens Uriel mit seinem Moped noch bis zur Autopista gefahren, wobei wir noch durch die schönen Wälder des Parque Arvi, oben in den Bergen gleich neben Santa Elena gefahren sind. Und dann brauchte der Bus auch noch mal über eine Stunde, um nach Guatapé zu gelangen. Das aber liegt wirklich ganz hübsch an einem großen Stausee, der sich hier weitverzweigt durch die ehemaligen und nun gefluteten Täler erstreckt.

Am besten sieht man das von oben, nämlich von der Spitze von La Piedra, dem Fels, man könnte auch sagen, dem Brocken, der das einmalige Symbol dieser Gegend ist. Der gigantische, fast schwarze Monolith erhebt sich über 220 Meter über der übrigen Landschaft – mit nahezu senkrechten Steilwänden. Erst 1954 wurde dieser Berg erstmals bestiegen.

Heute hat man es wesentlich einfacher. In eine Felsspalte wurden Treppen gebaut, nach 679 Stufen (muss man nicht zählen, das steht ja überall) erreicht man oben die Plattform, auf der dann auch noch ein kleiner Aussichtsturm errichtet wurde.

Viel machen kann man da oben nicht. Außer runtergucken und Kaffee trinken. Aber das reicht ja auch.

Ob das nun wirklich der größte Fels der Welt ist, mag ich zu bezweifeln. Aber ganz sicher ist es der beste Aussichtspunkt der Welt. Woher ich das weiß? Na, es steht halt unten dran.

Hin kommt man am besten mit einem bunt, bemalten Tuk Tuk, die hier auch Motochivas heißen. Chivas sind eigentlich zu Bussen umgebaute und traditionell sehr bunt angemalte Lastwagen, die einst in dieser Gegend das übliche Verkehrsmittel für den öffentlichen Personenverkehr waren. Hier sieht man sie tatsächlich auch noch im Einsatz, aber häufiger fast werden sie heutzutage in Großstädten wie Medellin oder Bogota als Partybusse eingesetzt.

Hier in Guatapé ist die Tradition der bunten Bemalung aber eben auch auch die Tuk Tuks übergegangen, wenn auch bei weitem nicht auf alle. Auf dem Rückweg führt uns ein schnödes unbemaltes Ding, was nicht nur der jungen Polin enttäuscht, die ich im Hostel getroffen habe und mit der ich mir jetzt die Tour teile.

Eine andere, ebenfalls sehr bunte Tradition sind die Zocalos. Ich kannte das Wort bisher eigentlich nur als Bezeichnung für die zentralen Plätze in Mexiko. Aber ein schneller Blick ins Wörterbuch ergibt, dass es wörtlich so viel wie Sockel bedeutet und damit hier in Guatapé eigentlich viel angebrachter ist.

Denn als Zocalos bezeichnet man hier die farbigen Reliefs, die nahezu die Sockel aller Häuser schmücken. Angefangen hat damit im Jahr 1919 ein Mann, der mit dem damals erstmals hierher gelieferten Zement experimentierte. Er schmückte den Sockel seines Hauses mit einer Reihe jeweils nach hinten schauender Schafe, was schnell Nachahmer fand.

So richtig durchgesetzt hat sich das Ganze aber erst vor sechs Jahren, erfahren wir von einem älteren Mann, der in einer Seitenstraße gerade ein paar Pferdereliefs neu bemalt. Damals habe der Bürgermeister verkündet, dass jeder solche Zocalos an seinem Haus anbringen muss. Denn unser Dorf soll schöner werden. Ein Beschluss, der sich schnell bezahlt macht, in einem vom Tourismus lebenden Städtchen.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Einige Häuser sind mit reine grafischen Schmuckelementen verziert. Andere haben einfache Figuren, die zum Teil auf die Nutzung des Hauses hinweisen. Da sieht man mal einen Schuster bei der Arbeit, mal einen Billardtisch und an einer Kneipe auch mal einen Gast, der seinen trunkenen Kopf auf den Tisch legt. Ansonsten gibt es aber auch Giraffen zu sehen, die es hier definitiv nicht gibt, und in einer Seitengasse eine ganze Reihe von Reliefs, die Episoden aus der Geschichte der Stadt erzählen, etwa von der Wahl eines Pastoren im frühen 19. Jahrhundert, bei der zwei Kandidaten antraten und einer der beiden schließlich mit nur einer Stimme Vorsprung gewann.

Und sonst? Was macht man, wenn man fertig ist mit dem Bewundern des dicken Felsens und der bunten Haussockel? Man kann sich ans Ufer setzen und lesen, zuschauen, wie Kolumbianer sich damit Vergnügen, mit einer Art Seilbahn über den See zu fahren, sich darüber freuen, dass es auch hier einen Saftladen wie in Medellin gibt (offenbar handelt es sich um eine Kette namens Cosechea), bei der ich heute mal den exotischen Mix Pfeffer-Ingwer-Sellerie-Petersilie-Orange-Ananas probiert habe (ja, das schmeckt!) und dann?

Man kann sich das Eventprogramm zum Frauentag auf der Plaza anschauen, bei dem erst ein leicht zu dick erscheinender Animatuer Figuren für eine Latinodiscogehopse auf der Bühne vortanzt, was dann rund hundert Frauen auf dem Platz nachzumachen versuchen. Später wird dann noch irgendwas verlost und die Gewinnerinnen scheinen wirklich sehr glücklich über die bunten Tüten, die sie bekommen.

Man kann essen gehen.

Man kann ein wenig das Fußballspiel auf dem Kunstrasenplatz verfolgen.

Man kann gucken, ob nicht doch noch irgendwo was los ist. (Antwort: nein)

Man kann ein wenig bloggen und dann früh ins Bett gehen. Morgen ist ja auch noch ein Tag.

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