grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Marathon in Tiberias, Kaffee in Tzfat und die Reise nach Jerusalem

Es gibt einen Grund nochmal ganz in den Osten des Nordens zu fahren: in Tiberias findet am Sonntag der von Freitag verschobene Marathon statt. Und Jürgen, der tatsächlich jeden Marathon-Lauf mitnimmt, der auf seinem Weg liegt, muss natürlich dahin. Zumal die Strecke am Ufer des Sees Genezareth die tiefstgelegene oberirdische der Welt ist. Nur oberirdisch? Ja, denn es gibt auch noch unterirdische Marathonläufe in alten Bergwerken, weiß Jürgen.

Langstreckenlauf ist eine Welt für sich. Deshalb packen wir uns morgens um kurz nach 7 samt Gepäck in den Hyundai und fahren nochmal nach Tiberias, setzen Jürgen dann irgendwo am Hang noch weit vom Ufer entfernt aus, weil die Stadt, nicht wegen des Laufs, wie wir zuerst dachten,  sondern wegen eines schweren Unfalls komplett im Stau versinkt, und fahren dann schnell weiter. Schließlich hat Tiberias, außer für Läufer, nur wenig zu bieten.

Weniger jedenfalls als Tzfat. Oder Safed. Oder Zefad. Die Schreibweise ändert sich von Straßenschild zu Straßenschild – weil es im Hebräischen keine Vokale gibt, jedenfalls keine geschriebenen, ist die Übertragung in das uns geläufige, lateinische Schriftbild nicht so ganz einfach.

Sicher aber ist, Tzfad liegt ganz oben auf einem rund 800 Meter hohen Berg – und damit gut 1000 Meter über dem See Genezareth -, bietet nicht nur eine wunderbare Aussicht über den hügeligen Norden, sondern auch noch eine hübsch verwinkelte Altstadt, in der es in einigen Gassen von Kunsthandwerkläden wimmelt. Einige davon haben sogar hübsche Sachen.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es hier neben dem jüdischen auch ein arabisches Viertel, dessen Bewohner immer wieder miteinander im Clinch lagen, erzählt der allwissende Felix. Nach besonders heftigen Riots Ende der 30er Jahre schlugen die Briten, die damals das Sagen in Palästina hatten, eine Schneise für eine breite Treppe durch die Altstadt. Ganz oben stand ein Turm samt Flakscheinwerfer und Schießscharten, um die Leute zu trennen und in Schach zu halten.

Seit die Juden Ende der 40er die Stadt übernahmen und die Araber, je nach Sichtweise, fortzogen bzw. flohen, ist Tzfad komplett jüdisch, nur die breite Treppe gibt es noch. Und den Turm mit dem Scheinwerfer, der aber nicht mehr leuchtet.

Tzfat ist eine der vier heiligen Städte für die Juden und so prägen hier Orthodoxe in allen Schattierungen das Stadtbild. Einige von ihnen düsen mit Elektrofahrrädern in Klappradgrösse durch die Gassen. Die Schläfenlocken flattern im Wind.

(Und hier noch eine wichtige Durchsage an Autofahrer: Wer in Tzfad einen Parkschein zieht, sollte nicht mal daran denken, auch nur 10 Minuten länger als gebucht am Straßenrand zu parken. Es kann sonst teuer werden. Sehr teuer.)

Mittags ärgern wir uns kurz über ein Knöllchen, fahren dann zurück nach Tiberias, halten mal eben die Füße in das kühle Wasser des See Genezareth , bewundern einen funkelnd blau davonfliegenden Eisvogel, lesen Jürgen nach seinem 4-Stunden-Lauf wieder auf, essen schnell noch die täglichen Falafel und düsen dann auf dem kürzesten Weg nach Jerusalem, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen.
Das stellt sich bald als Problem heraus. Denn der kürzeste Weg führt durch das Westjordanland. Und da dürfen wir mit dem Mietwagen nicht durch. Der darf laut Vertrag nur für Fahrten auf israelischen Gebiet genutzt werden. Das aber weiß das Navi nicht.

Auf besten Weg Richtung Jericho fällt uns das irgendwann auch auf – und wir müssen umkehren. Vorbei an dem großen Gefängnisbau, der eben noch am rechten Straßenrand lag und jetzt am linken, irgendwie über immer voller werdende Straßen in Richtung Westen der nun schon über dem Meer langsam versinkenden Sonne entgegen, dann an der Küste entlang durch den mehr als zähen Feierabendverkehr im Großraum Tel Aviv und schließlich zurück durch die Nacht Richtung Osten nach Jerusalem.

Die Reisegruppe unterhält sich derweil mit einer Stadt-Land-Fluss-Variation ohne Zettel, die in einer ausufernden Nennung wunderschöner Worte mit E endet, in der erratisch elefantöse Ellipsen erwähnt werden, erwartbar, energetischer Eukalyptus erreicht, ehrlich, einzigartig, erlöste E-Schwangere enorm ehrgeizig erraten, was eh egal ist, weil es enorm eklektisch elektrisiert.
Schließlich expandiert das Ganze in eine virtuelle Radioreportage über eine Familie, die im Toten Winkel verschwunden war, obwohl dank der defensiven Fahrweise der Mutter, die selbst auf Schwerlastern transportierte Panzer nicht überholte, sich alle Staus in Luft aufgelöst hatten. Fast zumindest.

In anderen Worten: es war wunderbar. Vor allem als wir gegen halb 8, gut zwei Stunden später als geplant doch noch irgendwie in der Stadt aller Ziele ankamen.

Aber dort, so berichten es die Gelehrten noch heute, gab es am selben Abend ein Eis. Und es war uns ein Wohlgefallen.

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