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die welt liegt uns zu füßen

Merida. Abschied von Tio Rafa

Wir haben uns dann nochmal gedrückt. Rafa ist ein feiner Kerl, da fällt der Abschied nicht leicht. Er wollte von mir nur den halben Preis für die fünf Nächte in seinem Hostel „la casa del tio rafa“ kassieren, was ich freundlich zurückgewiesen habe. Am Ende konnte er eh nicht rausgeben, so dass dann alles gut war, ohne dass einer von beiden das Gesicht verloren hätte.

Die paar Pesos werden ihm bei seinem Hauptproblem allerdings auch kaum weiterhelfen: der Suche nach einem neuen Haus für sein Hostel. Und vor allem bei der Finanzierung.

Ende März läuft sein Vertrag für das jetztige Haus aus. Er könnte verlängern, sagt Tio Rafa, aber der Eigentümer will die Miete um mehr als 60 Prozent raufsetzen. Das lohne dann nicht mehr. Außerdem sei das Dach kaputt, er müsse schon Angst haben, dass es seinen Gästen auf den Kopf falle. Nein, sagt Rafa, um dieses Haus sei es nicht schade. Auch nicht um die ganzen Wandbilder, die ihm im Laufe der Jahre einige Gäste gemalt haben. Nach fünf Jahren, sagt el Tio, ist Zeit für etwas neues.

Wir klicken durch diverse Immobilienseiten und schauen uns ein paar Angebote an. Das hier, sagt Rafa, das wäre interessant. Ein Foto zeigt einen wild überwucherten Hof. Da kann was machen, meint Rafa.

500.000 Pesos soll das Haus kosten, rund 30.000 Euro. Das klingt machbar. Aber Rafa hat kein Geld. Und ob die Bank ihm was leiht, ist unklar. Ein Gast aus Deutschland habe angeboten, ihm ein Haus zu kaufen, erzählt Rafa. Aber dann wollte der mitentscheiden, sehen, ob das Dach gut ist und sowas. Und außerdem, dann würde er ja am Ende für den Deutschen arbeiten und wäre wieder nicht sein eigener Herr. Nein, das will Tio Rafa nicht. Am besten wäre, ich würde eine Millionärin heiraten, sagt Rafa. Vielleicht käme ja mal eine in seinem Hostal vorbei. Zwei Monate ist es noch geöffnet. Er lacht sein Tio-Rafa-Lachen.

Tio Rafa macht mir nochmal Frühstück: Frittierte Eier. Tio Rafa gibt mir nochmal Kaffee: nimm die Thermoskanne, die immer auf dem Küchentisch steht. Tio Rafa weist mich nochmal auf die Hausregeln hin: nach dem Essen, Abwasch nicht vergessen. Das gilt auch am letzten Tag, auch für gute Freunde. Tio Rafa lacht nochmal sein Tio-Rafa-Lachen. Es klingt wie ein glucksender Schluckauf.

Dann drücken wir uns nochmal. Bis zum nächsten mal, sage ich. Wo auch immer, sagt Rafa und schließt die quietschende Eisengittertür.

One response to “Merida. Abschied von Tio Rafa”

  1. […] Merida: In Merida habe ich im Hostal von Tio Rafa geschlafen. In einfachen Schlafsäle kostet die Übernachtung inklusive Frühstück 120 Pesos. Wer das alte Hostal noch erleben will, muss sich beeilen, es schließt im März 2015. […]

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