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die welt liegt uns zu füßen

Mexiko D.F. – Teotihuacán und die Ex-Frau

Ehécatl

… ist weiterhin der beste Stadtführer von Mexiko. Obwohl er keinen Führerschein hat, leiht er sich den VW-Bulli eines Freundes in der Nachbarschaft und wir fahren nach Teotihuacán. Da war er zwar schon etwa 20 Mal, genieß aber immernoch die besondere Energie des Ortes. Wir besteigen die Piramides del Sol und de la Luna, genießen die Aussicht und den Wind. Bestaunen die wenigen übriggebliebenen Malereien des uralten, riesigen Geländes, das schon etwa 800 n.Chr. verlassen wurde. Unvorstellbar wie die das ohne Maschinen und Räder gebaut haben. Und da die Mexikaner sich offenbar immer mehr ihrer Indio-Wurzeln erinnern, ist Teotihuacán Pflichtprogramm für den Nachwuchs. Es wimmelt vor Schülergrppen.

El „De-Effe“

Die gigantische Stadt mit rund 25 Millionen Einwohnern ist ruhiger als erwartet. Und im Zentrum vor allem schief und krumm. Sowohl Straßen und Plätze, als auch alte + neue Häuser stehen schief wegen der vielen Erdbeben, vor allem aber, weil dort ursprünglich ein großer See war, mit einer Insel in der Mitte, auf der sich die Azteken nach langer Wanderschaft niederließen.

Außerhalb des historischen Zentrums aber tobt das Chaos. Die Straßen sind übervoll mit Autos, die überall in Mexiko durch Hubbel im Asphalt gebremst werden. Unzählige Geschäfte etc. säumen die großen Straßen, dahinter die dicht gedrängten Häuserblocks, mal prächtig, mal aus Wellblech.

In den U-Bahnhöfen sitzen Pärchen auf den Treppen und knutschen.

Immerwieder gibt es ähnlich wie in Malaysia Straßenstände mit Essen. Wir testen einmal eine Tortilla aus blauem Mais mit Frijoles. Darauf wird ein grünes Gemüse gestreut, das wie mir Ehécatl später erklärt ein Kaktus ist. Direkt neben dem Präsidentenpalast gibt es einen großen Schwarzmarkt mit CD’s und allem möglichen. An jeder Ecke stehen Polizisten mit Maschinengewehren.

Karin

„Llega mi Ex-Frau“, sagt Ehécatl als wir am ersten Abend das Hexen verlassen – stellt sie mir aber nicht vor. Wolfram hat mir erzählt, dass es ziemlich viel Stress zwischen den beiden gibt. Heute muss Ehécatl auf ihre beiden Töchter aufpassen: Katarina (14) und Sara (10). Sie wohnen in einer schönen Wohnung, vier Straßen vom Hexen-Cafe entfernt. Dort übernachten wir, weil ich am nächsten Morgen weiterfahren will. Ehécatl wollte eigentlich früher da sein, aber wegen der ewigen Staus zwischen Teotihuacán und Izcalli und dann auf dem Weg ins Barrio Roma kommen wir erst gegen 21 Uhr an. Kata steht draußen vor der Tür mit ihrem novio, wie Sara oben zu berichten weiß. Die Kleine muss noch Mathe lernen mit Ehécatl. Ich mache so lange einen Rundgang durch Zona Rosa, das einstige und in Teilen immer noch Schwulenviertel – heute aber die typische Großstadtkneipenmeile. Eher langweilig. Außerdem fühle ich mich bei dem dauernden Angequatschetwerden unwohl. Lieber trinke ich noch ein Bier im Hexen.

Zuhause kommt gegen Mitternacht auch Karin. Sie ist etwas vogelgesichtig und sehr kurz angebunden, allerdings auch sehr fürsorglich. Gibt mir ein Handtuch und morgens steht Frühstück auf dem Tisch für die Spätaufsteher.

Karin ist 17 Jahre älter als Ehécatl. Er hat sie kennengelernt, als die jüngste Tochter etwa ein Jahr als war. Ehecatl wollte Nitzsche auf deutsch lesen – sie war seine Lehrerin. Warum sie sich getrennt haben, weiß ich nicht. Wir tauschen Erfahrungen aus über nichtbiologische Töchter – und was bleibt, nach der Trennung. Bei Ehecatl wird das schwierig. Er will die Trennung für einen Neuanfang nutzen und ab März in Leipzig Dolmetscher studieren.

In Karins Wohnzimmer hängt ein Kalender mit Deutschlandbildern. Gedächtniskirche, Sanssouci etc. An der anderen Wand alte indianische Zeichnungen.

Am Morgen bringt mich Ehecatl noch zur U-Bahn. Er muss heute wieder als Koch arbeiten. Es war super nett mit ihm.

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