grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Napoli – die Sackgasse

Blick auf die Bucht vor Neapel

Schon mal in Torre del Greco gewesen? Macht nichts. Denn verpasst hat man nichts, wenn mal noch nicht da war. Wenn man aber da war, dann hat man wahrscheinlich doch etwas verpasst. Zum Beispiel das Ausgrabungsgelände von Pompeji. So zumindest war es am Sonntag. Denn der Vorortzug von Neapel nach Pompeji blieb irgendwann einfach stehen. Genauer gesagt: an einer Station namens Torre del Greco.

Torre del Greco - der BahnhofErst passiert gar nichts. Dann gab es eine dieser typischen Bahnhofsdurchsage, die wohl weltweit in allen Sprachen gleichermaßen unverständlich sind. Dann kam ein Schaffner und sagt, es gehe nicht weiter, weil die Strecke nach Pompeji überflutet sei. Später hieß es, eine Mauer sei eingestürzt. Man könne nur noch mit dem selben Zug zurück  nach Neapel fahren. Dann sollte es doch einen Bus geben, was alle Touristen aus dem Zug lockte, bevor der fast leer zurückfuhr. Die Truppe der Reisenden stand dann an einer einsamen Bushaltestelle. So verging die Zeit, es war eh schon spät und irgendwann fuhren dann doch wieder Züge. Zurück. Nach Neapel.

Neapel an sich ist eine schöne Stadt. Uralt. Eng. Ziemlich runtergekommen. Aber lebendig. Direkt am Meer, auch wenn man das kaum sieht, weil überall Hafen ist. Spaziergänge durch die engen Gassen des centro antiguo sind eindrucksvoll. Und wenn man doch noch das Glück hat, in einem wundervollen Bed-and-Breakfast mittendrin im alten Zentrum an der Via Tribunali zu wohnen, dann ist eigentlich alles perfekt.

Es ist nicht alles perfekt: Fußgängerzonenschild in der AltstadtEigentlich. Denn man muss mit Napoli schon klar kommen. Mal entpuppen sich empfohlene Restaurants als popelige Touristenfallen ohne Charme – dafür mit schwarzen Haare an der Salatschüssel. Mal sehen sie sehr nett aus, sind aber  Sonntags geschlossen, was aber erst erfährt, wenn man nach langem Umherirren darauf kommt, dass die Seitenstraße, an der die Osteria liegen soll, nicht von der Hauptstraße abgeht, sondern auf einer wie ein Stadttor aussehenden Brücke in rund 20 Metern Höhe oben drüber führt. Mal endet die Straßenbahn schon nach wenigen Stationen  wegen Baustellen, mal fahren die Busse, deren Liniensystematik man als Nichtneapolitaner eh nie verstehen wird, mal wieder ganz woanders lang. Mal ist das schon wegen seiner Sammlung altrömischer Statuen sehr sehenswerte Museo Archeologico zur Hälfte leider dann doch geschlossen, mal ist die Kirche mit der spannenden Gruft immer zu, mal der Eingang zum Castell St. Elmo nicht zu finden. Und irgendwie wundert es dann auch nicht mehr, dass der eh schon verspätete Easyjet beim Rückflug erst nochmal eine Stunde auf dem Flugfeld steht, weil zwei Passagiere mehr an Bord sind, als auf der Liste stehen, was sich selbstverständlich nach großem Theater als Fehler des Personals entpuppt.

Die Anti-Atom-PizzeriaAber ach, was soll’s.  Es gibt ja auch echte Highlights: Die Pizzeria Sorbillo, die sich ganz bescheiden beste der Welt nennt. Und die zumindest so brauchbare Pizzen serviert, dass draußen unter der Anti-Atomkraft-Pro-Solar-Energie-Fahne auch nachts um 11 Uhr noch lange Schlangen stehen (Wenn man um kurz vor 20 Uhr kommt, kann man Glück haben). Es gibt diese Gasse mit den Läden, die alle nur Krippen, Krippenfiguren und Krippenfigurenzubehör verkaufen, was schon allein deshalb sehenswert ist, Zidane als Krippenfigurweil da auch Fußballer, Politiker oder Julian Assange als Jesusfigurenbegleiter im Angebot sind. Es gibt all diese Plätze, auf denen garantiert gerade immer irgendwo ein paar Jugendliche Fußball spielen. Es gibt die Cafés, in denen der Barista nicht nu lustige Smilies auf den Cappuccino zaubert, sondern alles über die Bundesliga weiß („Herta Berlin!!!“) – und erzählt, auch wenn man die Details dann nicht versteht, aber was soll’s. Da gibt es das Museum für moderne Kunst, klein, aber sehenswert, auch wegen der Dachterasse und den unglaublichen Blicken aus den Fenstern, die allein eine künstlerische Dokumentation Wert wären. Da gibt es Kirchen, Hinterhöfe, Einkaufsstraßen, Haushaltswarenläden, die allesamt einen Blick lohnen.

Napoli bei Nacht  Napoli bei Nacht (2)

Und ganz zum Schluss noch die kleine Limoncello-Fabrik. Da wird tatsächlich der Limonen-Likör quasi in Handarbeit hergestellt. Und der rühiger Chef, lässte die Besucher nicht nur in Braukessel gucken, erzählt nicht nur ausschweifend und mit viel Witz vom Herstellungsprozess, den Geheimnissen seines speziellen Likörs, („gute Zutaten“), all den Produkten, die mit dem Saft sonst noch hergestellt werden (Bonbons, Öl, Kekse, Nudeln etc.), lässt einen selbstverständlich vom wirklich guten Limoncello probieren, sondern präsentiert dann beim Einpacken der am Ende selbstverständlich erstandenen Flasche noch so ausführlich sein komplettes Weltbild („Frauen sind das starke Geschlecht!“),  dass allein das Verpacken der Ware gefühlt eine halbe Stunde dauert. Ach, Napoli!

Ein langes Wochenende kann man hier schon verbringen.

Pompeji, so hieß es später, sei an dem Sonntag auch überflutet gewesen. Wir hätten es also auch nicht besuchen können, wenn der Zug nicht in Torre del Greco gestoppt hätte. Es waren die stärksten Regenfälle seit langem. Nun denn.

Wir müssen halt mal ein andernmal wiederkommen, um Pompeji zu sehen. Und den Vesuv. Und Capri. Stromboli. Die kleine Osteria. Und die Gruft in der Kirche.

Darauf schnell noch einen Café! Schwarz. Stark. Wunderbar.

Neapel von oben. Mit Vesuv.

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