grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Regen in Tel Aviv, Bob Dylan im Museum und mit dem Bus nach nirgendwo

Es regnet. Es schüttet. Es gießt. Es pläddert gegen die Holzpanelen vor dem Schlafzimmerfenster. Und vor die vor dem Balkon. Und die vor dem Wintergarten. Wir drehen uns nochmal um. Frohes neues Jahr. Wir bleiben einfach noch liegen. Aber es nützt nichts. Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass. Irgendwann geben wir nach und planen einen Tag im Museum. Das museum of the jewish people auf dem Unicampus im Norden Tel Avivs hört sich vielversprechend an. Kathas Schuhe sind schon pitschnass, als wir durch Pfützen und strömende Bäche auf den Straßen bei der Bushaltestelle angekommen sind. 

Aber das Museum ist toll. Zwar ist die Hauptausstellung wegen Umbau geschlossen, dafür stehen wir unvermittelt in einer kleinen Sonderausstellung über Bob Dylan. Warum? Weil er 75 geworden ist. Weil er den Literaturnobelpreis bekommen hat. Und weil er Jude ist – was in der Ausstellung weiter keine Rolle spielt, aber egal.

Nebenan erfährt man etwas über den unglaublich vielfältigen Baustil von Synagogen weltweit. Dazu gibt es eine kleine, sehr spannende Schau, die die Operation Moses thematisiert, bei der in den 80er Jahren tausende äthiopische Juden aus Flüchtlingslagern im Sudan nach Israel geholt wurden. Und über die Folgen bis heute, zu denen auch innerisraelischer Rassismus gehört, der hier ehrlich thematisiert wird. 

Schließlich werden noch sehr eindrucksvolle Bilder des Fotografen „Shim“ gezeigt, der die renommierte Agentur Magnum mitgegründet hat, eindrucksvolle Kriegreportagen gemacht hat mit einem besonderen Blick auf die Folgen für Kinder und schließlich selbst im Sinai bei einem Kriegsgefecht erschossen wurde. Allein wegen dieser Fotos hat sich die Fahrt hieraus gelohnt. 

Und wegen der wunderbar zwitschernden Vögel, die auf dem Campus in den Bäumen singen.

Später irren wir auf der Suche nach dem Meer durch ein gigantisches, sehr teuer und sehr unattraktiv wirkendes Neubauviertel im Norden, haben Glück, dass wir in einen Bus steigen, der uns tatsächlich in die Innenstadt bringt, wo wir nach einem Kaffee zufällig über den Boulevard Dizengoff stolpern, der mit seiner Mischung aus kleinen Schmuck- und Kleidershops, Cafés und Pubs und anderen kleinen Läden zum Schaufensterbummel förmlich einlädt. Es ist wunderbar! 

Kleiner Tipp: wer von hier mit dem Bus 39 zurück nach Ramat Gan will, sollte nicht die Busse Richtung Norden wählen. Denn dann landet man am Ende an einem abgelegenem Busbahnhof. Woher ich das weiß? Sagen wir so: wir haben das vor Ort recherchiert. 

Am nächsten Morgen, der Moment auf dem Sofa im Wintergarten. Die Sonne bricht durch, die Luft ist regenfeucht, aber leicht und warm. Eine Ahnung von Tropen. Und ich brauche nicht lange, um zu wissen, woran mich das erinnert: ein Morgen in Kolumbien. Oder Bolivien. Orte zum Wohlfühlen. 

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