grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Spargelmarmelade in der Taberna Manteca

Es ist die Entdeckung des Abends: Queso con mermelada de esparragos. Kleine dreieckige Stücke Hartkäse und dazu gereicht in einem weißen Porzellanschüsselchen eine feine, grüne, nur leicht süßliche Marmelade aus Spargel. Deliciosa!

Wir sind auch an unserem zweiten Abend in Cádiz wieder in unserer Lieblingsbar gelandet: der Taberna Casa Manteca, gleich ums Eck von unserem Apartement an der Plaza de la luz. Da wo die Stierkampfbilder die Wände schmücken, Kacheln den Boden, Weinflaschen die Regale und schöne Gäste den Tresen! Es gibt nur einen Unterschied zu gestern: diesmal haben wir uns das Abendessen vorab gespart und können uns daher ganz der hiesigen Speisekarte widmen.

Montadito de ventresca a la Lima, lese ich vor, weil es so hübsch klingt. Y no tengo ningun idea que es, füge ich hinzu, wo ich schon mal im Spanischmodus bin. Ich habe keine Idee was das sein könnte. Herr Oppermann natürlich auch nicht. Aber der freundliche Gaditano neben uns am Tresen hilft aus. Ventresca, sagt er, das sei ein Stück vom Tunfisch, es werde als Montadito, also in einem kleinen Brötchen serviert. Er möge allerdings noch viel mehr die Montaditos de Ijada de Atún con Tomate Natural. Ijada sei auch vom Tunfisch, erklärt er, von hier, sagt er und streicht sich über den Hals. Und das sei wirklich köstlich. Dann empfiehlt er noch die Chicharonnes, die seien eine Spezialität des Hauses. Wir bestellen der Einfachheit halber gleich mal alle drei Sachen. Dazu eine Cerveza für Herrn Oppermann, und einen trockenen Weißwein für mich.

Die Chicharonnes entpuppen sich als fein gewürzte leckere, kalte, dünne Fleischscheiben, die auf einem Stück Papier serviert werden. Die Montaditos sind klasse, vor allem die mit der sehr zarten Ijada. Auf der Zunge wagen die verschiedenen Geschmäcker ein Tänzchen mit dem Weißwein. Wahrscheinlich ein Flamenco, der schallert zumindest dezent aus den Boxen im Hintergrund.
Mittlerweile habe wir einen neuen Tresennachbarn. Er isst kleine frittierte Fleischklümpchen. Das, erklärt er, seien auch Chicharonnes, nur frittiert, mit mehr Fett. Gut für den Körper, sagt er und streicht sich lachend über den ordentlich gewölbten Bauch. Das würden die meisten Gaditanos, wie sich die Menschen hier in Cádiz nennen, so machen. Nicht jeden Abend, aber doch sehr oft, gehe man nach der Arbeit in die Bar, esse eine Tapita, trinke eine Copita, rede ein wenig mit den Menschen, die man so trifft.

Ich frage, was er uns noch empfehlen kann. Er zeigt auf die Würste, die hinter der Bar hängen. Wir nehmen Salchichon de Bellota. Die Ahumaditos de Atún y Queso seien auch nicht schlecht, kleine Tunfischstückchen mit Käse auf einem Spießchen. Und eben Queso con mermelada de esparragos trigueros.
Wir nehmen mal wieder alles, dazu Weißwein und Bier und sind glücklich. Mehr als zufrieden. Später, viel später, als wir bezahlen, wird die Glocke neben der Kasse laut scheppern. Das machen die Kellner immer, wenn es Trinkgeld gibt. Wir sind so zufrieden, dass er gleich zweimal bimmelt.

Was für ein Abend.

(Dass der dann ganz anders endet, mit einer Wendung erst ins Unglück, dann dank großer Hilfsbereitschaft wieder ins Glück und dem Zwang am nächsten Morgen Waschmittel zu kaufen, soll später mal erzählt werden. Aus Gründen der Dramaturgie. Und: wir müssen das erst noch etwas sacken lassen)
((PS: Herr Oppermann besteht darauf, dass das Unglück ganz allgemein bekämpft werden muss und es sich daher im Speziellen bei den Ereignissen des Abends keinesfalls um ein Unglück gehandelt habe, sondern der Verlauf allenfalls etwas unglücklich gewesen sei. Ich schließe mich nach längerer Diskussion hiermit seiner Sichtweise ausdrücklich an.))

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