grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Kon Tum und die Bahnar-Doerfer

Moderner Transport in Kon Tum 20 Meter weiter: Klassischer Transport in Kon Tum

Die Sitten sind hart. Wenn eine Frau Zwillinge zur Welt bringt, wird der Zweitgeborene im Wald ausgesetzt. Wenn eine Frau bei der Geburt stirbt, wird das lebende Baby mit der Mutter begraben. Und bei der Geburt sterbende Muetter gibt es haeufig. Denn wenn die Frau merkt, dass es bald so weit ist, geht sie ganz allein in den Wald und kommt erst zurueck, wenn das Kind da ist. Hilfe hat sie keine.

So handhaben es nicht die Vietnamesen, sondern die Bahnar, eine der zahlreichen Minderheiten, die bis heute in Vietnam meist in den Bergen leben. Die Bahnar haben ihre Doerfer nur wenige Kilometer ausserhalb von Kon Tum. Und doch leben sie in einer anderen Welt – die man besuchen kann. Caro, Florian und ich haben heute morgen noch schnell eine Tour ins Umland gebucht. Wir werden von einer Vietnamesin gefuehrt, die zwar nur Franzoesisch kann, aber wir kommen gut zurecht miteinander. Sie fuehrt uns durch mehrere Doerfer, durch deren Gaerten und Felder, erklaert uns den Reisanbau, zeigt uns Kaffeebaeume und verschiedenartrige Bananenstauden, sowie Papaya- und andere Pflanzen, liest Tamarindfruechte vom Boden auf und laesst sie uns genauso probieren wie frisches Lemongrass vom Feld oder diese minzigen Blaetter eine wild bluehenden Strauchs am Wegesrand.

Zitronenbaum Maniok-Ernte Jackfruit-Baum Jackftruits am Baum

Papayafrucht (oder doch Mango?) Lemongras direkt vom FeldDas Rong-HausDas Einbaum-Boot

Reisfelder der Bahnar Bahnar Männer bereiten ein Festmahl vor Der Dakbla-Fluss Der Fluss

Auch die sehr schmalen und sehr hohen aus Teakholz, Bambus und Stroh errichteten Gemeinschaftshaeuser zeigt sie uns. Dort trifft sich an jedem Montag die Dorfgemeinschaft um alles wichtige zu besprechen. Jedes Dorf hat zwei Buergermeister, einen fuer das Formelle und einen fuer die traditionellen Sachen. Dazu gehoert auch ein groesses Dorffest am naechsten Tag. Als wir vorbeikommen, sitzt eine Gruppe Maenner vor einer Huette, hackt Fleisch und steckt es auf Spiesse – das Festmahl. Normalerweise, sind auch hier die Frauen fuer das Kochen zustaendig. Die Zubereitung des Festessens aber ist Maennersache.

Da unsere Fuehrerin neben Franzoesisch auch die Sprache der Bahnar spricht, kommt es immer wieder zu netten kurzen Begruessungsgespraechen. Zudem vermittelt sie uns tiefe Einblicke in die lokale Kultur. So sind die Bahnar zwar heute offiziell katholisch. Den Glauben an die lokalen Geister haben sie sich aber ebenso bewahrt wie den Glauben an die Reinkarnation. Deshalb ist es auch in ihren Augen nicht grausam, ein Kind zu toeten, dessen Mutter gestorben ist. Denn es haette ohne Mutter in dieser Gegend kein gutes Leben erwartet. Durch den Tod und die folgende Reinkarnation aber bekommt es schnell eine zweite Chance auf ein besseres Leben. Und ganz so rau sind die Sitten auch hier nicht mehr. Anlass uns vom Umgang mit den Kindern zu erzaehlen, war ein kleines Waisenhaus am Wegesrand. Es gibt also auch Kinder, die ohne Mutter ueberleben duerfen.

Nach dem Besuch mehrerer Doerfer wandern wir noch ein paar Kilometer einen Fluss entlang durch eine ueberraschend schoene Landschaft. Zurueck werden wir in einem Einbaum gerudert. Und da heute auch noch endlich mal die Sonne schien, war es einfach ein perfekter Tag.

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Kon Tum selber ist zunaechst einmal eine grosse Enttaeuschung. Wir hatten aufgrund der Beschreibung in unserem Reisefuehrer mit einem kleinen ruhigen Staedtchen in den Berge gerechnet. Tatsaechlich ist es eine laute Grosstadt mit ueber 400.000 Einwohnern in einer Hochebene. Die groesste Attraktion hier sind offenbar wir selbst. Wenn man als Europaer durch die Strassen schlendert wird man aller paar Meter freundlich gegruesst. Meist von froehlich winkenden Kindern, haeufig aber auch von Erwachsene, die vor ihren Laeden stehen oder auch von Passanten, die mal verstohlen einen Blick auf uns werfen, mal uns direkt anstrahlen. Und immer gibt es ein „Hello“. Wenn wir dann mit „xim chao“ Antworten, wird das Laecheln noch breiter.

Wenn man dann noch einen halben Satz auf Vietnamesisch sagt, werden einem gleich Heiratsavancen gemacht. Das ist mir vorhin auf dem Busbahnhof passiert, als ich versucht habe, mich mit Hilfe des Vietnamesisch-Buchs und nicht nur per Zeichensprache verstaendlich zu machen. Da wollte mich die eine Fahrkartenverkaeuferin gleich gestenreich mit ihrer jungen Kollegin verkuppeln.

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