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Pixies im Huxley

Es gab mal ein ziemlich tolles Konzert – vor wahrscheinlich über 20 Jahren in der Zeche in Bochum. Hauptact war The Fall. Aber weil die sich mal wieder ewig zierten, auf die Bühne zu gehen, kamen die Pixies zum Zug. Nicht live. Aber aus der Konserve. In kristallklarem Sound liefen ihre ersten beiden Platten Sufer Rosa und Doolittle. Bone Machine, Gigantic, Where Is My Mind?, Debaser, Monkey Gone To Heaven, Here comes Your Man. All die großartigen Songs aus den späten 80ern. Das Publikum war begeistert. Dann kam Mark E. Smith doch noch auf die Bühne, nuschelte in seiner eigenen Großartigkeit das The-Fall-Programm runter und ging wieder. Aber was blieb war vor allem eins: meine Begeisterung für die Pixies.

Live gesehen habe ich sie dennoch nie. Bis jetzt. Denn am Dienstagabend standen sie im Huxleys in Berlin auf der Bühne. Doch manchmal gilt, was der gute alte Gorbi schon sagte, als die Pixies noch eine wirklich große Band waren: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Nicht dass die Pixies schlecht gewesen wären. Nein, dafür sind einfach ihre Songs zu gut. Aber das Konzert lebte in großen Teilen vor allem von der Erinnerung. Der Erinnerung der Fans, die genau wissen, wie die Songs sich anhören können. Die präzis scheppernden Melodien, die Tempiwechsel, die abrupten Breaks, all das was die Musik der Pixies ausmacht – ausgemacht hat. Denn live suppt der ganze Sound entweder zu einem deftigen Brei – oder die Instrumente stehen bezuglos nebeneinander. Die Akustikgitarre von Sänger Black Francis ist häufig gar nicht zu hören. Der Schlagzeug müht sich mit seinem Bumm-Tschak lobenswert ab. Der Gitarrist plänkelt durch die Gegend. Und bei der neuen Bassistin fragt man sich vor allem, ob sie nun schwanger ist oder nur ein unvorteilhafte Kleid trägt. Phasenweise klingt das alles recht lustlos.

Zum Glück lässt sich das textsichere Publikum nicht abschrecken – und singt lauthals mit, bei ugefähr jedem zweiten Stück. Denn zu Beginn wird konsquent immer abwechselnd ein Klassiker und irgendein neuer Song gespielt. Ja, so hält man das hitgeschulte Publikum bei der Stange. Andererseits kommt man aber auch nie so richtig in Fahrt. Die Menge im Saal nickt freundlich zum Rhythmus, aber extatische Begeisterung ist kaum zu sehen.

Das größte Problem scheint die Stimme von Black Francis. Der Mann ist sichtlich älter geworden. Das sieht man nicht nur an der Glatze. Das hört man. Das Kreischende, die Schreiqualität der alten Aufnahmen, das kann Francis auf der Bühne allenfalls andeuten.

Das muss ja nichts schlechtes sein. Musiker dürfen sich durchaus weiterentwicklen. Ab und an bringen die neuen Pixies jetzt ein paar ruhiger Stücke unter, in denen Francis fast schon wie ein Singer/Songwriter seiner heutigen Stimmlage entsprechenden Stücke vorträgt. Aber selbst die neuen schnelleren Songs knallen nicht richtig. Offensichtlich wird das bei Bagboy, der erst vor ein paar Monaten veröffentlichten Single, die als Studioaufnahme durchaus an alte Sachen heranreicht, hier im Huxleys aber als unscheinbares Etwas untergeht.

Dennoch hat sich das Konzert gelohnt. Denn bei einigen wenigen Klassikern gelingt es der Band dann plötzlich doch, genau den Sound zu treffen, den der alte Fan im Kopf hat. Etwa bei allerletzten Stück der Zugabe. „Where Is My Mind?“, ruft Francis. Dann winkt der Mann, der während des gesamten fast zeistündigen Konzerts auf jede Kommuninkation außerhalb seiner Songs verzichtet hat, doch tatsächlich kurz ins Publikum. Und lächelt.

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