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Lima. Mit 99 Luftballons

Hotels im Nebel an der Küste von Miraflores Metropolitano - der Schnellbus auf der Stadtautobahn in Lima Wohnhaus in Miraflores

Lima ist ein Moloch. Schon rund 100 Kilometer weiter im Norden fängt es langsam an. Bis dahin führt die Panamericana weitgehend durch menschenleeres Gebiet. Dann häufen sich die Häuser, die Siedlungen. Nach und nach wächst sich das Ganze zur Stadt aus. Zur Megacity, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Rest des Landes zu tun hat. Die Panamericana wird zur vielspurigen Stadtautobahn, auf der die Fahrzeuge dennoch im Stau stehen. Rechts und links wachsen erst Armutsviertel die Berge hinan. Dann Einkaufszentren. Fußgängerbrücken. Lichtburgen. Hochhäuser. Seitenstraßen. Irgendwann stoppt der Bus in einem gigantischen Busbahnhof unter der Erde. Beton und Asphalt.

Im Taxi nach Miraflores singt Nena im Radio. 99 Luftballons. Auf deutsch. Der Taxifahrer kennt das Lied. Klar, sagt er. Es sei aber schon ziemlich alt, oder?

Später am Abend, in dem kleinen Park im Zentrum von Miraflores quatscht mich ein Straßenhändler an. Er will seine letzte Peru-Landkarte loswerden. Er erzählt von seinem Leben. 400 Soles koste seine Wohnung am Stadtrand. Zwei Zimmer, für ihn, seine Frau und die drei Kinder. Die Fotos hat er im Portemonnaie. Gut anderthalb Stunden Fahrtzeit von hier lebt er. In einer anderen Welt. 400 Soles, also rund 120 Euro, das sei billig, erklärt er. Hier im Upperclass-Viertel Miraflores, da würde man doch mindestens 1000 Dollar zahlen. Ursprünglich stamme er aus den Bergen. Ein kleines Dorf, in dem es nicht einmal ein Schule gebe. Deshalb sei er nach Lima gezogen. Der Kinder wegen. Die sollen es mal besser haben, auch wenn es hier in Lima viel Rassismus gebe.

Am letzten Tag mache ich noch ein paar Einkäufe. Schokolade für heißen Kakao.  Am letzten Tag mache ich noch ein paar Fotos. Die Hochhäuser an der Küste von Miraflores im üblichen Nebel. Am letzten Tag treffe ich noch einmal Juan, den Journalisten. Zum Essen und Reden. Lima, darin sind wir uns einig, ist vor allem eins: Lima-fixiert. Dass es da draußen noch einen großen, sehr spannenden und äußerst sehenswerten Rest von Peru gibt, in dem die Uhren anders ticken, scheinen viele fast zu vergessen.

In der Zeitung la republica stand gestern als Frage des Tages an die Leser: Werden Sie den Jahreswechsel außerhalb von Lima verbringen? Die Zeitung wird im ganzen Land verkauft.

Dann kommt das Taxi. Es quert die Calle Berlin und braust zum Flughafen.

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