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die welt liegt uns zu füßen

Mal eben Meister werden

Public Viewing in Chiclayo Meisterjubel in Chiclayo Held des Abends: Der Torwart von Aurich

Fussball ist klasse. Vor allem, wenn man gewinnt. Kaum komme ich am Mittwoch in Chiclayo an, schon ist klar, dass diese Stadt ein Erlebnis wird. Denn  am Nachmittag steht das Spiel an. Das dritte und alles entscheidenen Finale zwischen Alliancia und Juan Aurich um die peruanische Fussballmeisterschaft 2011. Allianzia ist einer der zahlreichen Clubs aus der Hauptstadt Lima. Und Juan Aurich ist der lokale Verein aus Chiclayo.

Deshalb findet man hier auf der zentralen plaza mayor nicht nur unglaubliche, blinkende Weihnachtsbaeume und Krippen oder Geschenkschachteln, die an den Strassenbaeumen baumeln, sondern eben auch eine Buehne mit einer „supergrossen Leinwand“, wie der Moderator nicht muede wird, zu betonen. Irgendeine Bank hat das Ding gesponsort. Vielleicht ware es besser gewesen, sie haetten es auch mal ausprobiert. So aber wird erst fuenf Minuten vor Anpfiff ein Kabel aus dem benachbarten Rathaus heruebergelegt, dann gibt es zunaechst einmal nur Ton und – nachdem die Partie schon mehrere Minuten laueft, auch ein Bild. Das aber bedeckt allenfalls die Haelfte der supergrossen Leinwand und ist leider ueberhaupt nicht zu erkennen. Ein Grossteil der rund 1000 Fans auf dem Platz zieht vor die umliegenden Bars und Cafes. Rein duerfen die meisten nicht, denn drinnen muss man konsumieren. Oder sich die Haare schneiden lassen. Auch Friseure haben einen Fernseher.

Ich draengle mich schliesslich in der zweiten Halbzeit in einen Saftladen, in dem ich – wie fast alle dort – einen riesengrossen Fruchtsalat geniesse, allerdings keine Tore. Zur Nachspielzeit lasse ich mit leche con cafe bringen, was in diesem Fall tatsaechlich stimmt. Ich bekomme eine Kanne heisse Milch, dazu ein Kaennchen mit schwarzem Kaffee und eine leere Tasse. Zusammengeruehrt ergibt das den mit Abstand besten Kaffee hier in Peru. Nur Tore fallen immernoch keine.

Also Elfmeterschiessen. Schnell erzaehlt: Der Torwart von Aurich haelt zwei: Campeon! Campeon! Campeon! Ich bin Meister. Also irgendwie auch. Ein bisschen. Erst jubelt das Cafe, dann kreischen die Massen auf der Plaza, angepeitscht von einer Stelzenlaeufergruppe samt Pauken und Trompeten, abends gibt es dann noch Autokorso – immer rund um die Plaza. Dabei hupen die Teilnehmer tatsaechlich noch haeufiger, als sie es im normalen Verkehr eh schon tun.

„Aurich! Aurich! Aurich!“ hallt es den ganzen Abend ueber den Platz. Es klingt wie: „Au-ritsch!“ Den seltsamen Namen hat der Club, weil er 1922 von Arbeitern einer Hacienda gegruendet wurde, deren Eingentuemer so hiess.

Ich geh dann ins Bett. Mein Magen rumpelt.

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