grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Buenos Aires – frisch gelueftet

Demo an der Plaza de Mayo

Eins duerfte inzwischen klar sein. Ich war zwar in Buenos Aires, aber die Stadt ist nicht normal. Hier sind Sommerferien. Und dann gab es noch den Feiertag am Donnerstag. Jedenfalls ist die Stadt erstaunlich leer. Ruhig. Entspannt.

Immerhin ist sie inzwischen frisch gelueftet. Seit dem Regenguss Freitagnacht laesst es sich ganz gut aushalten hier. Abends wird es sogar so kuehl, dass man kurz denkt, ein langaermliges Hemd waere etwas besser gewesen als das uebliche T-Shirt. Aber man geniesst es eher.

Bleiben noch ein paar Worte zur Stadt. Sie in drei Tagen zu erfassen, duerfte ein Ding der Unmoeglichkeit sein. Ich habe allenfalls Ausschnitte gesehen und habe keine Ahnung, wie reprasentativ sie sind.

Flohmarkt am Sonntag in San Telmo

Kunst 1: Wenn man in einer Hauptstadt ist, gehoert mindestens ein Museum zum Kulturprogramm. Ich hab mir gestern noch schnell gleich zwei angeschaut. Erst das Museo de bellas artes. Ein schoener Altbau, in dem ein paar Highlights der mordernen Klassiker haengen: Picasso, Goya, Kaethe Kollwitz und und und … sie zeigen in erster Linie: Argentinien stellt sich kulturell viel staerker als andere lateinamerikanische Staaten in die Tradition Europas. Leider wird das obere Stockwerk gerade renoviert – und in dem sollen laut Reisefuehrer die argentinischen Pendants zu europaeischen Malerei haengen, die ich gern gesehen haette. So blieb mir von der lokalen Malerei nur ein kleiner Eindruck. Zum Beispiel eine Reihe von Schlachtgemaelden von Candido Lopez. Er war selbst Soldat 1866 im Krieg. Rund 25 Jahre spaeter hat er anhand seiner Zeichnungen und Erinnerungen, dann sechs grossse Farbpanoramen gemalt. Das Feld vor der Schlacht. Das Laeger des Heeres. Die Ankunft per Schiff. Die Auftstellung der Armee auf dem Schlachtfeld. Die Schlacht selber. Und die Aufraeumarbeiten am Tag danach, mit jeder Menge Leichen. Es sind gruselige Wimmelbilder. In einer temporaeren Ausstellung mit Zeichnungen gab es dann noch das Bild mit dem besten Titel: „mujer emancipada, cantando de mediodia a las dos de la tarde“ („empanzipierte Frau, singend von Mittag bis zwei Uhr nachmittags“). Es stammt aus dem Jahr 1948, den Namen des Malers hab ich in meinem Handy notiert, das will ihn aber gerad nicht mehr ausspucken.

Das MALBAKunst 2: Richtig gut gefallen hat mir hingegen das Malba, das Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires. Ein moderner, lichter Raum mit einer repraesentativen Sammlung moderner Kunst aus den letzten knapp 100 Jahren – sie lassen zumindest ahnen, wie die regionalen Kuenstler die jeweiligen Stroemungen aus Europa verarbeitet haben bzw. wie sie sich von ihnen nach und nach loesen. Hinzu kommen aktuelle Ausstellungen. Gerade wird unter anderem das Werk von Oscar Munoz gezeigt, ein Fotograf, der in seinen Arbeiten extrem mit der Fotografie spielt, in dem er sie vom Fotopapier loest und auf Duschvorhaenge oder Wasseroberflaechen (!) uebertraegt, die dann im Abfluss einer Dusche verschwinden (was man hier per Videodokumentation sehen kann). Oder grob gepixelte Portraits aus Zuckerwuerfeln, die mal mehr, mal weniger mit Kaffee vollgesogen sind und somit zwischen weiss und tiefbraun changieren. Grossartig! Ein Museum, das richtig Spass macht.

Politik: Auf der Plaza de Mayo, dort wo die Muetter der Verschwundenen waehrend der Diktatur in Sichtweite des Praesidentenpalastes demonstrierten, ist der Protest auch heute noch zu hause. Derzeit auf dem Programm: Ein kleines Zeltlager von Falkland-Krieg-Veteranen (der hier natuerlich Malvinas-Krieg heisst), die nicht vergessen werden wollen. Und eine Demo junger Menschen, die gegen die Raeumung eines selbstverwalteten Kulturzentrums aus Uni-Raeumen protestieren.

Tango: Irgendwie ueberall und nirgends. Ein Paar gehoert zum Standardbeiprogramm aller Restaurants in Touristengegenden. Aber nicht nur die gucken. Auch Argentinier rufen ein anerkennendes „eso!“, wenn ihnen die eindrucksvolle Darbietung gefallen hat.

Busse:  Falls ich nochmal herkomen sollte, muss ich unbedingt herausbekommen, wie das hier mit den Bussen funktioniert. Wo man einen Liniennetzplan bekommt. Und wo die Tickets. Ich war immer kurz davor. Und bin dann doch die paar Meter noch gelaufen. Und die paar Meter auch. Und die auch noch. Meine Fuesse sind platt. Aber ich habe eine Stadt gesehen.

Palermo: Schoenes Viertel, da wo tatsaechlich noch die kleineren Albauten stehen (und nicht die neuen x-stoeckigen Wohnkloetze). Wahrscheinlich so eine Art Prenzlauer Berg von Buenos Aires. Nette Plaetze, nettes Cafes, gehobenes, aber entspanntes Ambiente.

Argentinisch: ordentlich Schlange stehen beim Einstieg in Zuege etc.// Keine Mine verziehen, wenn in den U-Bahnen alle zwei Minuten ein neuer Haendler den Fahrgaesten Stadtplaene, Buntstifte, Ringbuecher oder aehnliche zur Ansicht auf den Schoss legt und sie dann wieder einsammelt.

Deutsch: Sich aergern, weil in den U-Bahnhoefen nirgendwo irgendein Aushang ueber das Preissystem zu finden ist. Man muss schon am jeweiligen Kassenhaeuschen nachfragen.

One response to “Buenos Aires – frisch gelueftet”

  1. […] Zum Glück, denn  hier gibt es deutlich mehr zu sehen als Tangoshows. Mehr dazu hier, hier, hier und nochmal […]

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