grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Can Tho und die schwimmenden Maerkte

Händlerinnen auf dem Wasser

Es sind ganz normale Strassen. Es gibt Laeden fuer den taeglichen Bedarf. Ab und an passiert man eine Tankstelle. Es werden Blumen transportiert und lebende Schweine. Ein fahrender Haendler bietet den Anwohnern frisches Fleisch. Wer Musse hat, hockt in einem Kaffee am Strassenrand. Einige waschen hier ihre Waesche. Denn die Strassen rund um Can Tho haben keinen Asphalt. Sie sind aus Wasser. Und ich werde in einem Boot herumgegondelt. Hinten auf dem Holzboot steht Op Phuong. Keine Ahnung, ob ihr Name tatsaechlich so geschrieben wird, wie ich hier versuche, ihn phonetisch wiederzugeben. Immerhin der zweite Teil duerfte stimmen.

Op Phuong reicht mir eine Ananas, geschaelt und kunstvoll geschnitzt, so dass ich sie wie einen Lolli am Stil halten kann. Wann sie das gemacht hat, ist mir zunaechst noch ein Raetsel. Denn eigentlich steuert sie die ganze Zeit das von einem grossen Mixer angetriebene Boot. Spaeter wird mir klar: sie steuert quasi mit der Huefte. Der Motor hat eine Art Metallgabel, in die Op Phuong ihr rechtes Bein gestellt hat. So hat sie alles unter Kontrolle und kann sich wichtigerem widmen: Ananasschnitzen! Oder – das scheint ihr liebster Zeitvertreib zu sein – sie flechtet aus einer Art Schilf lustige Figuren. Erst bekomme ich eine Art Heuschrecke gebastelt, dann ein Armband und einen Ring. Zum Schluss noch eine Blume. Op Phuong hat auch ihr Boot mit den selbstgefalteten  Blumen geschmueckt.

Sie ist eine der Frauen, die man hier in Can Tho fuer kleine oder groessere Touren anheuern kann. Das Lenken der kleinen Boote scheint hier tatsaechlich Frauenaufgabe zu sein. Op Phuong ist eine leicht rundliche Frau von mittlerem Alter (was auch immer das heissen mag), und traegt den hier bei Frauen beliebten Hosenanzug: Hosen und Hemd aus leichtem Flatterstoff mit jeweils gleicher Farbe und Muster. Anders als bei den meisten Frauen, ist Op Phuongs Dress jedoch wenig schrill gemustert, sondern schlicht rot.

Sie wurde mir von einer Hotelmitarbeiterin vermittelt: Eine Nachbarin mit Boot, faehrt dich zu zwei schwimmenden Maerkten, heiss es. Und danach noch durch die Kanaele. Fast sechs Stunden wird die Tour dauern. Und weil die schwimmenden Maerkte frueh beginnen und auch frueh wieder enden, muessen wir noch viel frueher los: schon um 5.30 Uhr treffen hier uns am Kai. Da ist es noch dunkel.Wir steuern zunaechst den Markt von Cai Rang an, spaeter noch den bei Phong Dien. Ersterer soll der groesste seiner Art im ganzen Mekong-Delta sein. Es gibt hier vor allem Obst und Gemuese. Die meisten Haendler haben nur ein Sorte an Bord – ein Exemplar haengt an einer Art Fahnenstange, so dass man schon von weitem sehen kann, was es gibt. Wer einkaufen will, muss mit seinem Kahn dazwischenschippern. Zunaechst werden wir jedoch von einem schwimmenden Getrankehaendler angesteuert, der mir heissen Kaffe verkauft. Und er denkt auch gleich an meine Fahrerin – ich solle, bedeutet er mir, fuer Op Phuong eine Limo kaufen. Wird gemacht.

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Kanal bei Can ThoStadt am FlussEin der vielen Wäscherinnen an den KanalufernBlumentransportercan-q5.jpgcan-q6.jpgcan-q7.jpgcan-q8.jpgcan-q10.jpgMeine bastelnde BootsfrauDas Bastelwerk der Bootsfraucan-q13.jpgcan-q14.jpgcan-q15.jpgBootsfrau, mit dem Fuß lenkende

Insgesamt haette ich mir die Maerkte wesentlich groesser vorgestellt. Eindrucksvoller. Trubeliger. Aber entweder ist heute einfach wenig los oder meine Erwartung zu gross. Ueberhaupt ist der Mekong hier weniger exotisch als gedacht. Er ist ein vielfach verzweigter riesiger Fluss mit braunem Wasser, auf dem hauefig so eine Art Seerosengruenzeug schwimmt. Und leider auch Muell. Die Anwohner nutzen ihre fliessende Hauptstrasse auch als Muellabfuhr.

Händlerinnen auf dem Mekong

So richtig schoen aber wird es, sobald man mit dem kleinen Boot von der Hauptstrasse in einen der Kanaele abbiegt. Dann geht es stundelang an kleinen einfachen Haeusern und auffaellig vielen grossen vorbei. Immer wieder tauchen am Wegrand Blumenplantagen auf, deren Produkte auf dem Markt von Can Tho verkauft werden. Ein paar Maenner fischen. Andere bauen gerade ein Haus. Die Kinder winken und rufen „Hello!“. Op Phuong steuert eins der Lokale am Wegesrand an. Wir fruehstuecken. Ich bekomme das Omelette fuer die Europaer, sie die Suppe fuer die Einheimischen. Ich darf sie nochmal einladen. Wir verstehen wenig, wir lachen viel.

Mandarinenbaumdrache auf dem Straßenmarkt von Can ThoCan Tho unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen vietnamesischen Staedten. Es gibt viel Verkehr, der Laerm hoert prakisch nie auf, wenn gerade kein Moped brummt, schallt laute Musik aus einem Geschaeft. Es gibt einen trubeligen Strassenmarkt mit zahlreichen Pflanzenanbietern, die sich auf alle Formen grosser und kleiner Bonsais spezialisiert haben.

Der Park am FlussuferDoch in einem Punkt ist Can Tho dann doch sehr speziell. Man sieht, dass sich hier irgendjemand einen Sinn fuers Schoene bewahrt hat. Es gibt einen Park am Ufer, in dem unter der riesigen Ho Chi Minh-Statue exakt gepflegte Hecken und Baeume stehen. Es gibt weitere kleine Parks. Und am Flussufer lassen die Fassaden der Haeuser eine koloniale Vergangenheit zumindest erahnen. Ich jedenfalls fuehle mich wohl.

Das hat noch weitere Gruende. Da waere zunaechst mein Hotelzimmer: sehr sauber und gepglet, soagr mit eigenem Balkon! Direkt daneben versperrt zwar das naechste Haus den Blick, weil mein Guest House in eine kaum einen Meter breiten Gasse quasi auf dem Hinterhof liegt. Aber es ist richtig prima.

Aufgeschnittene Jackfruit bei einer Straßenhändlerin in Can ThoDann ist da die Jackfruit. Eine melonengrosse, aber eher laengliche, stachelige Frucht, die ich bisher nur als ganzes auf dem Markt oder an Baeumen bewundern konnte. Hier habe ich endlich einen Stand gefunden, der sie in Stuecken verkauft. Hinter dem gruenen Stachelkleid verbergen sich mundgerechte, mangogelbe Stuecke jeweils mit eigenem Kern. Sehr suess. Sehr lecker.

Mein Und dann ist da nicht zuletzt mein „Stammcafe“, in einer kleinen Seitenstrasse gelegen, immer noch laut, aber ertraeglich. Heute nachmittag war ich das zweite Mal da – und schon nach einem kurzen Nicken servierte mir der Kellner meinen ca phe sua da! Wie einem langjaehrigen Kunden, bei dem man weiss, dass er immer dasselbe will. Dabei hatte mich gestern eine junge Frau bedient.  Die Stadt bereitet sich – wie das ganze Land – auf das bevorstehende vietnamesische Neujahrsfets vor. Die Laeden bieteten spezielle Geschenksets und Blumenschmuck – zur Not auch aus Plastik. Auf Plaetzen werden Buehnen errichtet. Die Strassen werden mit Lichtern geschmueckt. Es wird wohl eine grosse Party geben – die ich verpasse werde. Denn ich bereite mich auf meine Rueckreise vor. Morgen geht es nach Ho Chi Minh City. Am Freitag startet dort mein Flieger.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich von diesem Land halten soll.

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