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die welt liegt uns zu füßen

Israel: 22 Salate, ein Bier und der Versuch eines Rückblicks

Wanderer kommst du nach Jaffa, dann vergiss nicht, dort im „The Old Man and the Sea“ einzukehren. Das ist ein arabisches Restaurant am Hafen. Von der Einrichtung nicht spektakulär, drinnen herscht sogar fast ungemütliche Geschäftigkeit. Aber …

… die Salate!

Die gehören zur Grundausstattung. Kaum sitzt man am Tisch, ist der auch schon voll. Mit 22 verschiedenen Salaten. Humus. Falafel. Auberginen. Kraut. Gebratener Blumenkohl. Eingelegte rote Beete. Und so weiter. Und so fort. Und immer wieder wird nachgefüllt, kaum dass ein Teller leer ist. Dazu Fladenbrot. Leckere Limonade in der Karaffe. Klebrig süße Kuddeln zum Nachtisch. All das bekommt man ohne eine Wort – für eine Grundpauschale. Bestellen darf man danach. Dazu. Fisch – was die weit gereisten Mitteleuropäer nehmen. Schnitzel – was die mitessenden israelischen Freunde bevorzugen. Oder auch nichts. Denn eigentlich reicht der Salat.

Im Hintergrund schimpfen ein paar Araber lautstark von einer Demobühne am Hafenbecken.

Später ruft der Muezzin.

Es ist unser letzter Abend in Israel. Für dieses Mal. Kathas Familie geht nach dem Essen ins Hostel am Strand von Tel Aviv, wir fahren mit Daniel und Gabriel nach Ramat Gan, besuchen noch einen Freund, trinken auf dem Balkon seiner Neubauwohnung, wo gleich nebenan eine 96-jährige Holocaustüberlebende wohnt, die gern über die Ballustrade in tiefstem Bayrisch von damals erzählt, bis ihre Tochter dazwischen geht, weil das doch keiner hören wolle.

Ich hätte es gehr gehört. Aber es ist spät, das Rollo ist schon unten.

Noch später sitzen wir in einer Bar, genauer gesagt auf ein paar Sofabänken draußen davor. Es gibt Teller mit geschnittenem Gemüse zum Knabbern, das geht irgendwie noch rein, obwohl wir eigentlich schon platzen könnten nach dem Essen beim „Old Man“.

Die Bedienung spendiert uns einen Whiskey. Die Nacht trudelt dahin.

Morgen müssen wir früh raus. Nicht weil der Flieger geht, das hat Zeit bis zum Abend. Aber Gabriels Hund winselt vor der Schlafzimmertür. Er muss mal. Raus. Ich dackel hinter ihm er, zum Glück kennt er den Weg. Auch wieder zurück. Braver Hund.

Er heißt Lennon. Ich singe ihm „Give Peace A Chance“ vor. Es freut ihn. Er guckt zumindest so.


Wiederkommen. Müssen wir unbedingt. Unten den Süden dieses spannenden Landes erkunden. Die Negev-Wüste, durch die wir auf der Rückfahrt vom Toten Meer mit dem Bus gefahren sind.

Wiederkommen. Müssen wir unbedingt. Weil wir uns hier wohl fühlen. Weil wir mehr wissen wollen, über dieses spannende, zerrissene, widersprüchliche, schöne, warme Land. Weil wir vielleicht noch einmal nach Yad Vashem müssen, um uns den Teil der Ausstellung anzuschauen, den wir nicht ertragen haben. Weil wir immer wieder durch die Altstadt von Jerusalem treiben könnten. Weil wir es wieder nicht nach Massada geschafft haben. Weil wir noch mehr Zeit bräuchten. Vielleicht sogar, um Akko noch eine zweite Chance zu geben. Und Haifa, wo wir viel zu kurz waren.

Eins immerhin wissen wir schon: Israel ist das Land mit den meisten Behindertenparkplätzen der Welt. Das ist zumindest mein Eindruck. In Jerusalem findet man sie an jeder Ecke. Mannchmal stehen da dann ganz Batterien von den blauen Schildern mit dem Rollizeichen.

Und: es gibt hier nur eine einzige Straßenbahnlinie. Die L1 quer durch Jerusalem, die so freundlich durch die Stadt bimmelt. Auch sie ist vorbildlich: alle Doppeltüren von vorn bis hinten sind tatsächlich mit einem Rollizeichen beklebt. Und bei allen öffnen sich die Türen so, dass zwischen Bordstein und Innenraum der Tram keine Hürde bleibt. Und keine Lücke. Besser geht es gar nicht. Wie traumhaft wäre es, wenn es so etwas in der Din-A-Bundesrepublik auch gäbe.

Etwas anderes muss ich noch recherchieren: was es mit diesen E-Bikes auf sich hat, mit denen mehr und mehr Menschen hier durch die Städte düsen. Sie sehen von weitem aus, wie olle Klappräder aus den 70ern. Nur nicht in so stylischen Pop-Farben. Dafür rasen sie mit frisierte Mofas mit einem Affenzahn, aber völlig geräuschlos die Berge hoch. Manchmal sieht man auch einen der Fahrer in die Pedalen treten. Aber hauptsächlich genießen offenbar alle den Rausch der Elektrik.

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