grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Richtung Wüste

Die Oase von Skoura, das Tal der Rosen, die Schlucht des Dades. Klangvolle Namen haben mich meine Plänen ändern lassen. Ich hatte schon ein Busticket nach Zagora, um von dort eine Tour in die Wüste zu starten. Aber da, meint der freundliche Rezeptionist im Hotel Royal, sei es derzeit viel zu heiß. Viel besser sei die Tour von Mezouga aus, weniger heiß, kürzere Wege und unterwegs ein paar schöne Orte in den am Weg liegenden Tälern. Essen, Fahrt, Übernachtungen und Kamele inklusive.

So sitze ich jetzt mit Emile und Claudius, Max und Sabine, zwei Studentenpärchen aus Berlin bzw. Tübingen, in einem Toyota-Jeep und wir lassen und durch die Gegend fahren. Eine Landschaft, über die e sicher viel zu erzählen gäbe. Aber Hassan, unser Fahrer ist nicht so gesprächig. Viel mehr als die Namen der Orte, der Hinweis „schönes Tal“ und die Frage, ob man ein Foto von dieser oder jener Kasbah-Ruine machen wolle, kommt nicht von ihm.
Zudem erweist sich die Oase als wenig beieindruckende Ansammlung von Lehmbauruinen am Rande von Palmen. Und das Tal der Rosen als Halt für ein Mittagessen. Zwar wird am Straßenrand überall Rosenwasser angeboten, aber von den Pfanzen fehlt jede Spur. Wo sind die Blumen?, will ich von Hassan wissen. Der guckt erst nur irritiert, dann lacht er, die Rosen, sagt er, die blühen doch nur im Mai.
Statt Rosen sieht man rechts und links vom Straßenrand – nein, keine leere Landachaft, sondern Haus um Haus, mal nur eine Reihe, mal 100 oder 200 Meter tief auf beiden Seiten. Kilometer um Kilometer.
„30“, sagt der wortkarge Hassan.
„Ein Straßendorf über 30 Kilometer?“, frage ich zurück.
„Ja“, sagt Hassan, dann auf erneute Nachfrage doch noch eine Erklärung zu geben. Die meisten Häuser seien von Marokkaner gebaut worden, die in Europa arbeiten oder gearbeitet haben – und hier jetzt in ihrem Heimattal ihr hart verdientes Geld in Immobilien investieren.

Richtig schön ist am ersten Tag der Tour nur der Abend, den verbringen wir im Dades-Tal, dass sich wie ein dichtbewachsenes grünes Band durch die karstig roten Berge zieht. Wir übernachten im wunderschönen Hotel Le Vallee des Figues, und Olide, der immer lächelnde junge Mann mit dem schnieken schwarzen Hemd über der lässig im Schritt schlackernden Jeans führt uns zwei Stunden lang durch eine immer enger werdende Schlucht, die wir ohne seine tatkräftigen Handreichungen niemals allein hätten bewältigen können.
Fast ganz oben machen wir eine kurze Pause. Von ganz weit hinten hört man ab und an das Quietschen eines seltsamen Vogels, ansonsten unterbricht nur noch das Rauschen des Blutes in meinen Ohren diese unglaubliche Stille.
Später, oben auf dem Berg, bedauert Olide sehr, dass er uns heute den schönen Sonnenuntergang nicht bieten kann. Aber die imposanten Wolken, das leichte Donnergrollen und die dreieinhalb Regentropfen auf der verschwitzten Haut sind eh viel besser.
Später im Hotel Couscoustajine und dann eine Nacht auf betonweichen Betten. So soll es sein.

One response to “Richtung Wüste”

  1. […] fing alles mit Hassan an, unserm wortkargen Fahrer bei der Dreitagestour Richtung Wüste. Viel gesagt hat er zwar nicht, bei den stundenlangen Fahrten durch das […]

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