grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Schweizer, extrem

Das Ehepaar im Rentenalter hatte die zweite Nacht in meinem Sechs-Bett-Dorm verbracht. Sie hatte ein wenig gestoehnt, dass sie in die obere Etage des hoelzernen Doppelstockbettes klettern musste. Aber ansonsten war es mal richtig nett, zu sehen, dass auch andere Menschen deutlich ueber 30 vor dieser Reiseform nicht zurueckschrecken. So sass ich am naechsten Morgen mit den beiden auch am Fruehstueckstisch. Dazu noch eine junge Deutsche. Und eine Schweizerin. Das Rentnerpaar stammt ebenfalls von dort, genauer gesagt, aus Genf. Sie sprachen akzentfreies Deutsch, nicht mal mit schweizer Dialekt, und waren sehr erzaehlfreudig. Erst wurden Witze ueber die Bewohner der verschiedenen  Kantone serviert. Berner zum Beispiel, sind so langsam, dass ihre Hand sich kaum bewegt, wenn sie einen Tatterich haben. Und schon waren wir bei der Politik angelangt. Denn wie in Deutschland den Laenderfinanzausgleich, so gibt es offenbar in der Schweiz einen Ausgeich zwischen den Kantonen. Und den halten die reichen Genfer (wie die meisten Reichen) natuerlich fuer vollkommen ungerecht, weil sie ja nun fuer die armen (faulen, weil langsamen) Berner zahlen muessen. Kaum angsprochen, wurde gleich zum naechsten Skandal geswitcht: die Islamisierung der Welt. In erster Linie geschehe das in Frankreich. Aber auch in der Schweiz. Es wundere ihn immer, ereiferte sich der aeltere Herr, dass die Feminstinnen nichts dagegen unternehmen wuerden. Denn die waeren schliesslich die ersten, die unter der Einfuehrung der Scharia zu leiden haetten.

Als ich mir irgendwann dachte, ich halte mal mit ein paar Sachinfos dagegen, kam als Contra: tja, die Presse berichte ueber so etwas ja nicht. Die sei ja komplett gleichgeschaltet. Bis auf die „Weltwoche“, das schweizer Blatt, das erst kuerzlich mit seiner miesen Kampagne gegen Roma fuer Schlagzeilen gesorgt hatte.  Natuerlich hatte das weltreisende Rentnerpaar gleich ein noch halbwegs frisches Exemplar auf dem Tisch platziert, das spaeter der jungen Schweizerin mitgegeben wurde. „Das muessen Sie lesen“, meinte der Mann – um abschliessend hinzuzufuegen, das gute an der Schweiz sei ja, dass es dort rechtsextreme Parteien gebe, auch wenn die nicht so hiessen. Die koenne man dann waehlen.  Alle anderen Politiker seien schliesslich nur Marionetten.

Es wurde Zeit zu gehen.

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