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Die Easyrider-Tour (1. Tag): Von Da Lat nach Di Linh

Unterwegs mit dem Ford Everest

Du brauchst sie nicht suchen. Sie werden dich finden. Selten war die Vorhersage meines Reisefuehrers so praezise, wie in Da Lat. Kaum sassen Florian, Caro und ich fuenf Minuten in der Hotellobby in Da Lat, schon waren wir in ein Gespraech mit einem der Easyrider verwickelt. Das ist ein lokaler Zusammenschluss, die – daher der Name –  auf ihren Motorraedern Reisende durch das halbe Land gondeln, und ihnen unterwegs alles moegliche zeigen und erklaeren. Eine der besten Arten zu reisen, die man sich vorstellen kann. Es sei denn, man mag die Vorstellung nicht, hinten auf einem Motorrad zu hocken. Nicht bei diesem Verkehr. Nicht bei diesen Kurven. Und nicht bei diesem Wetter. (Obwohl letzteres hier unten im suedlichen Hochland doch sehr okay ist).

Xuan, unser Easyrider, hat aber etwas besseres im Angebot. Er will uns in einem luxury car zum Cat Tien Nationalpark zu fahren. In zwei Tagen. Mit jeder Menge Stopps unterwegs. Er als Guide, der alles erklaert. Dazu ein Fahrer. Uebernachtung und etwaige Eintritte inklusive. Das hat zwar seinen stolzen Preis. Aber wir schlagen ein.

Am naechsten Morgen steht er mit einem Ford Everest vor der Tuer. Und wir bekommen viel geboten.

Drachen vor der PagodeEine Pagode im chinesischen Stil mit unglaublich grossen Figuren auf dem Vorhof. Xuan erklaert, dass die noch relativ neu seien. Da Lat ist eine Stadt, die Reisende anzieht. Vor allem Hochzeitsreisende aus Vietnam. Und die Spenden viel. So hat die Pagode genug Geld fuer den Ausbau.

Das Crazy HouseDas Crazy House. Die Tochter eines einstigen Praesidenten hat sich in Da Lat ihren Architektentraum erfuellt. Ein voellig organisch fliessender Bau, irgendwas zwischen den Stilen von Gaudi und Hundertwasser. Aussen sehr wulstig. Innen sehr hoehlig. Passt ueberhaupt nicht nach Vietnam. Muss man auch nicht moegen. Aber spannend anzusehen ist es auf jeden Fall. Und man kann auch gern nochmal wiederkommen. Denn das Crazy House wird seit 20 Jahren immer weiter ausgebaut. Einige Teile stehen bisher nur als Rohbau. Andere fehlen noch ganz. Schlafen kann man hier theoretisch auch. Allerdings steht die Gefahr, dass man am naechsten Tag von den zahlreichen Besuchern geweckt wird.

Die buddhistische Landschaft Ein Mönche bei der ArbeitEin buddistisches Zentrum in den Bergen oberhalb von Da Lat. Wunderbar gelegen mit Blick auf einen Stausee. Man koennte sich auch in einem deutschen Mittelgebirge waehnen. Der Garten voller Blumen, die Tempel frisch herausgeputzt und jeden Menge Moenche – nein, nicht bei der Meditation, sondern bei der Arbeit. Einige fischen Gruenzeug aus einem Teich, andere bauen gerade auf dem Nachbargelaende ein weiteres Haus. Die ganze Anlange wurde erste seit Mitte der 90er Jahre errichtet. Eine Art Nachkriegsaufschwungsprodukt.

In der Blumenplantage Die Blumenplantage. Wir verlassen die Stadt, und Xuan duest mit uns durch die Landschaft. Ab und an bittet er unseren Fahrer Yung, einen kurzen Stopp zu machen. Zum Beispiel an einer Blumenplantage. Nach dem Kriegsende 1975 und dem folgenden Wirtschaftsembargo durch die USA habe es in Vietnam praktisch nichts gegeben. Dann sei die Unesco gekommen und habe Anschubhilfe geleistet. Ein hollaendisches Team habe erkannt, dass das Hoehenklima von Da Lat perfekt fuer die Blumenzucht ist. Seither hat sich das Gewerbe so erfolgreich angesiedelt, dass Da Lat laengst als Stadt der Blumen gilt.

Die Kaffeeplantage: Ebenfalls sehr gut in diesem Hochlandklima gedeiht der Kaffee. Ueberall entlang der Route sind Kaffeepflanzungen zu sehen. Xuan erklaert, wie aus den roten Fruechten Kaffeebohnen werden. Nach der Ernte werden sie von den Feldbesitzern zunaechst ein paar Wochen in der Sonne getrocknet. Entlang der Strasse sind teilweise vor jedem zweiten Haus die Bohnen auf Planen ausgebreitet. Nach dem Trocknen werden die Bohnen nochmal von ihren Schalen befreit. Die Schalen werden als Brennmaterial weitergenutzt. Die Bohnen dann gebrannt. Dabei wird hier unter anderem auch Fischsosse verwandt, um dem Kaffee seinen speziellen vietnamesischen Geschmack zu geben.

Schnaps mit EinlageFlo und Caro bei der SchnapsprobeDie Schnapsbrennerei: Das naechste Haus, an dem wir halten, sieht fast ein wenig aus wie eine Tankstelle. Laut Aushang ist es jedoch spezialisiert auf die Herstellung von Liquors. In einer Vitrine stehen hohe Glasbottiche mit Reisschnaps, in denen Schlangen  oder Leguane eingelegt sind. Dass dient nicht etwa der Haltbarkeit der Tierkadaver. Viel mehr ist Reisschnaps unendlich viel wertvoller, wenn vor dem Trinken wochenlang ein Reptil darin gelegen hat. Das sei gut fuer den Ruecken, erklaert uns Xuan. Wie bei allen Stopps duerfen wir mit Xuan einfach hinten ins Haus spazieren. Das stoert offenbar niemanden. Wenn wir jemand treffen, wird freundlich genickt und gelaechelt. Hier stehen in einem Schuppen Faesser, in denen Reis zunaechst ein paar Wochen gaert, bevor er destilliert wird. Zum Erhitzen werden hier die Kaffeeschalen verwandt. Das Ergebnis ist ein etwa 70-prozentiger Alkohol. Wir duerfen bzw. muessen einen Schluck aus dem Kanister probieren. Aus einem Kilo Reis wird ungefaehr ein Liter Schnaps gewonnen, erklaert Xuan. Beides koste rund 25.000 Dong. Die Brennerei bringe also direkt nichts ein. Allerdings bleibt nach dem Destillat eine Reissuppe uebrig, die an die Schweine verfuettert werde. Weil auch die Suppe noch Alkohol enthaelt, werden die Tiere betrunken und muede, wuerden schliesslich nur noch schlafen und essen und somit schnell rund und fett. Und mit dem Verkauf der Schweine komme dann das Geld rein.

Flo vor dem Elephant WaterfallCaro hinter dem Elephant Waterfall

Der Elephant Waterfall: Genau so muss ein Wasserfall sein. Er stuerzt in einem Guss ueber die Kante rund 40 Meter in ein zerklueftetes Tal. An der Seite kann man runterkraxeln, was uns nach dem Schnapskonsum nicht so ganz leicht faellt. Auf halber Hoehe gibt es einen Abzweig, der seitlich hinter das stuerzende Wasser fuehrt. Sehr eindruckvoll. Und sehr feucht. Insgesamt grossartig. Seinen Namen hat der Wasserfall aus der Zeit, als hier noch Dschungel war. Da sollen an dem Oberlauf Elefanten zum Trinken gekommen sein. Heute fehlt von grossen Tieren und grossen Baeumen jedoch jede Spur.

er-seidenraupen.jpg Die Kokons werden ausgekocht WebstühleDie Weberinnen

Die Seidenfabrik: Das Wort Fabrik ist ein wenig uebertrieben. In einer Halle werden die Kokons samt den Raupen darin in heissem Wasser gekocht. Dadurch loest sich der Faden, der dann auf Rollen gewickelt wird. Gleich nebenan wird aus der hier gewonnenen Seide Tuch gewebt. Der Ingenieur Florian ist schwer beeindruckt, dass die Webstuehle hier mithilfe grosser Lochkarten gesteuert werden.

Xuan, der Guide, und Yung, der Fahrer, beim Mittagessen

Mittagessen: Bei einem Stopp in einem der zahlreichen Strassenrestaurants bestellt Xuan echt vietnamesisches Essen. Die Kellnerinnen stellen Teller mit Schweinfleisch, Salat, Suppe mit Ananas und frischem Fisch, Omlette, fritierten Kartoffeln auf den Tisch. Zudem bekommt jeder eine Schale Reis, die Xuan gleich zuruekgehen laesst, weil der Reis darin seiner Meinung nach zu trocken ist. Caro und Florian sind vorsichtig und halten sich an das vegetarische Essen im Angebot. Ich probiere alles mal durch und fuehle mich grossartig.

Der Pon Gour Wasserfall

Pon Gour Wasserfall: Der zweite Wasserfall ist deutlich ruhiger. Er faellt auf breiter Front fast kaskadenartig in ein dschungeliges Tal. Ein schoenes Bild, das beste jedoch ist der Sound, den die Voegel liefern. Ein Gruppe vietnamesischer Reisender will unbedingt ein Foto vonuns machen. Erst dann duerfen wir weiter.

Ziegel beim trocknen fertige Ziegel

Ziegelei: Am Nachmittag schauen wir noch in einer Ziegelfabrik vorbei. Hinter dem Haus steht ein Bagger, der Lehm aus einer Grube hebt. Der wird dann mit einer Maschinen in ein Endlosziegelband mit vier Loechern gepresst, bevor die Ziegelwurst in handliche Stuecke geschnitten wird. Die werden dann mit Handkarren ein paar Meter zum Trockenplatz gefahren. Und spaeter von dort zum Brennofen gebracht. Fertig ist der Ziegel. Auffaellig bei allen Produktionen, die wir heute gesehen haben, ist, dass es sich offensichtlich um kleine Familienbetriebe handelt, die moeglichst viele Schritte des Produktionsweges komplett an einem Ort verrichten.

Di Linh: Abends quartiert uns Xuan in einem Hotel in Di Linh ein. Die Stadt zieht sich wie viele vietnamesische Staedte ueber mehrere Kilometer an der Landstrasse entlang. Unser Hotel ist eins der typischen kaum drei bis vier Meter breiten, aber nach hinten sehr tiefen Haeuser, die man fast ueberall im Land findet. Auf das Abendessen verzichten wir, weil es Florian nicht gut geht. Caro und ich verspeisen jede Menge Fruechte, die wir in Di Linh gekauft haben. Von allenfalls der Haelfte wissen wir den Namen. Und fast alle waren koestlich.

Unser Obstteller

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