grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Die Umkehr

Die Berglandschaft am Churup

Die letzten Meter sind die schlimmsten. Die Beine wollen nicht mehr. Das Rechte ist schwer und hebt den Fuss nur langsam auf die naechste Felsstufe. Das Linke macht so lange Pause. „Auf 5.000 Meter“, erklaert David, el medico, „hat die Luft nur halb so viel Sauerstoff wie auf Meereshoehe“. Dabei sind wir gar nicht so hoch. Hoechsten auf 4.300 Metern ueber Null.

Die allerletzten Meter sind die allerschlimmsten. Der Kopf hat das Denken aufgegeben. Die Augen ignorieren die Aussicht. Aber das ist eh egal. Die Wolken nehmen ueberhand. „Der Koerper“, erklaert David, el medico, „hat zwei Strategien gegen die duenne Luft.“ Erstens: das Herz schlaegt schneller. Stimmt! Zweitens: man atmet schneller. Wie recht er hat.

1. Etappe: Da sieht es noch nur schön aus  1. Etappe: Lohnende Aussichten

Die wirklich letzten Meter sind die wirklich schlimmsten. Der Fuss zoegert ein wenig, sucht Halt. Der Kopf hat keine Lust mehr. Ich koennte jetzt laut stoehnen, aber das ist zu anstrengend. „Gleich sind wir oben“, sagt David, el medico. Da hinter der Kuppel, da sei die Lagune. Da muss sie sein. Da sollte sie sein. Das hat doch gerade erst der Wegweiser verkuendet. Noch 500 Meter. Bis zum Campingareal. Das kommt dann auch. Es ist eine kleine flache Wiese. Vor einem kleinen Tal. Ohne Lagune. Dahinter ein Wasserfall, an dem entlang der Weg nochmal rund 100 Meter hoeher fuehrt. Nahezu senkrecht. Aus Regentropfen wird Regen.

Die Wandergruppe, kurz vorm AufgebenWir sind jetzt fast drei Stunden unterwegs. Erst ging es mit dem Collectivo nach Llupa, einem Dorf auf etwa 3500 Meter Hoehe, dann eine gute Stunde zu Fuss einen wunderschoenen Wanderweg mit hohem Eselaufkommen hoch bis zum eigentlichen Bergwandergelaende am Churup. Der ist etwa 5.600 Meter hoch und leuchtet ab und an mit seinem schneeweissen Gipfel durch die Wolken. Wunderbar. Auf 4.500 Meter gibt es die Lagune. Da wollen wir hin. Eine Wanderkarte sagt: noch 1,5 Stunden bis zum Mirador, dem Aussichtspunkt, dann eine Stunde bis zur Lagune. Und zwei Stunden zurueck. Klingt machbar. Wir sind frueh dran. Die Sonne scheint. Und wir haben Kekse, Wasser und Moehren im Gepaeck.

Wegweiser zum unerreichten ZielDann beginnt der eigentliche Auftstieg ueber einen felsigen Kamm. Erst steil, dann in der Mitte fast flach, dann muss man etwas kraxeln, dann geht es wieder. Und schliesslich werden die Beine schwer. Die Luft drueckt ein wenig auf die Brust. Es muss wohl eher die fehlende Luft sein.  „Das ist ganz normal“, erklaert David, el medico.

Die allerallerletzten Meter sind die allerallerschlimmsten. Da, der Weg. Neben dem. Wasserfall. Das kann. Man versuchen. Der Kopf. Sagt. Ja. Oder? Die Beine sagen. Nichts mehr. Nein. Umkehren? Keine Lagune? Kein Aussichtspunkt? Ja. Umkehren. Keine Lagune. Kein Aussichtspunkt. Kein Erfolg. Keine Geschichte von: Wie wir da oben auf 4.500 Meter geklettert sind. Ich kann jetzt ein ganz wenig nachfuehlen, wie sich ein echter Bergsteiger fuehlt, der, das Ziel vor Augen, aufgeben muss.

Aus Regen wird Hagel. Aus Haenden werden eisige, klamme Klumpen. Die Regenjacke laengst durchnaesst. Die Jeans ebenso. Die Schuhe. Die Fleecejacke. Die Socken. Der Rucksack. Alles nass. Kalt. Keine Lust mehr. Immerhin. Es geht. Bergab.

Aus dem Nachbartal sind Donner zu hoeren.

Wir passieren drei einheimische Jungs, die sich unter einem Baum untergestellt haben – und spaeter wie junge Katzen an uns vorbeihuepfen.

Zurueck in Huaraz ist das Duschwasser im Hostal eiskalt. Aber immerhin wird sind unten. Carmen organisiert heisses Wasser aus der Kueche fuer Tee und ein Fussbad.

Umkehr kann ein wirklich weiser Entschluss sein.

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