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La Paz hebt ab: Seilbahn und Busse

Die Haupstadt von Bolivien will hoch hinaus, einen grossen Schritt wagen und das taeglich am Rande  eines Kollaps stehende Verkehrssystem revolutionieren. Gleich zwei Projekte solen daher in den naechsten Wochen realisiert werden: Der teleferico und das Bussystem pumakatari.

Der teleferico, eine Seilbahn, die spaeter einmal drei Linien – in den bolivianischen Nationalfarben rot, gelb und gruen – haben soll, ist das ungewoehnlichste, aber zu La Paz einfac h passende Projekt. Es soll die in einem tiefen Talkessel liegende Haupstadt mit der bis zu 700 Meter hoeher oben auf dem Hochplateau wuchernden, einstigen  Vorstadt El Alto verbinden, in der auch der Flughafen liegt. Bisher gibt es gerade mal eine Strasse, ueber die man von der einen in die andere Stadt gelangt – falls die Strecke nicht mal wieder wegen eines Protestes gegen dieses oder jenes gerade blockiert ist. Die erste, die rote Strecke ist fast fertig. Drei Kabinen wurden mal schon fuer einen Testlauf aufgehaengt. Praesident Evo Morales hat sie bereits ausprobiert und sich entsprechend in den Zeitungen  abbilden lassen. Die Talstation wird gerade in dem seit vielen Jahren stillgelegten alten Bahnhof von La Paz fertiggestellt. Richtig losgehen soll es aber erst Ende Maerz oder Anfang April.

Die Zeitung la razon berichtete am letzten Wochenende auf einer Doppelseite ueber das Seilbahnprojekt. Und zaehlte gleich eine ganze Reihe von Vorzuegen auf: Da bleibt es nicht bei der fuer hiesige Verhaeltnisse rasenden Geschwindigkeit. Vom Zentralfriedhof, der allerdings schon selbst recht hoch liegt rauf nach El Alto soll man kuenfitg nur noch fuenf Minuten benoetigen. Die Seilbahn bietet aber auch bisher unbekannten Komfort, weil fuer alle 10 Paasagiere einer Kabine, also auch fuer die Kinder (!) ein Sitzplatz vorhanden sei. Zudem halte die Seilbahn an vorgegebenen und somit verlaesslichen Haltestellen. Und die Wartezeiten seien auch gering, da alle 12 Sekunden eine neue Gondel losfahren soll.

Denn all dies gewaehrleistet das gegenwaertuige Bussystem nicht. Es wird von hunderten Minibussen und wenigen groesseren Fahrzeugen getragen, die alle verschiedenen Kooperartiven gehoeren, und die derzeit die Stadt verstopfen. Auf der zentralen Avenida, die die Stadt im Talkessel von Sueden nach Norden durchzieht und dann auf weit geschwungenen Serpentinen Richtung El Alto hochzieht, stehen sich so viele Minibusse gegenseitig im Weg, dass sie trotz Hupen und Draengeln haeufig kaum schneller vorankommen als die Fussgaenger auf den Buergersteigen.

Feste Haltsstellen gibt es kaum. Man stellt  sich an den Strassenrand, wartet bis ein Fahrzeug mit der gewuenschten Zielangabe auf den bunten Schildern hinter Windschutzscheibe kommt und winkt es dann heran. Wenn man Glueck hat, haelt es, wenn man Pech faehrt es durch, weil es schon uebervoll ist.  Wenn aber der Fahrer Pech hat, dann steht sein uebervoller Bus im Stau und die Leute steigen einfach zu. Das geht aber natuerlich nur bei diesen schoenen alten Bussen der Marke Dodge, die man aus US-amerikanischen Filme als gelbe Schulbusse kennt. Das geht immernoch was mit ein wenig Gequetsche im mGang. Die Minibusse mit ihren Schiebetueren hingegen sind voll, wenn sie voll sind. Nach deutschen Massstaeben auch dann schon uebervoll.

Besserung soll nun das erste staatlich getragene Bussystem bringen. Es hat, wie alles Moderne in Bolivien einen Namen aus der Sprache der Aymara oder Quechua: PumaKatari. Puma heisst tatsaechlich Puma, ein von den hiesigen Indigenakulturen seit Jahrhunderten hoch angesehenes Tier. Was Katari heisst, weiss ich leider nicht. Heute schreibt la razon, dass gestern die ersten sieben Linien vorgestellt wurden, drei sollen bereits Mitte des Monats ihren Betrieb aufnehmen, der Rest in einigen Monaten. Dann sollen grosse, moderne Busse  die Hauptstadt mit ihren Vororten verbinden und auch gute Anschluesse zu den neuen Seilbahnen gewaehrleisten.

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Der ueberall in der Stadt prangende Werbeslogan fuer PumaKatari klingt wie ein unglaubliches versprechen: nada nos detiene. Nichts wird uns aufhalten.  Unglaublich ist das aus gleich zwei Gruende. Denn  zum einen muessen sich ja auch die PumaKatari durch den Dauerstau draengeln. Von eigenen Busspuren ist jedenfalls bisher nicht die Rede. Und es waer auch kaum Plazt dafuer vorhanden in der eng bebauten Metropole. Zum anderen haben die Betreiber der bisherigen Buskooperrativen, denen nun ihr Monopol genommen werden soll und die verstaendlicherweise um ihr Einkommen fuerchten muessen, zum Protest gerufen. Zwar laufen derzeit Verhandlungen zwischen Stadtregierung und Fahrerverbaenden, aber ueber den Stand der Dinge wird nichts bekannt. Eins aber ist klar: gefaellt den Fahrern das Ergebnis nicht, dann wird die Stadt eben mal wieder dicht gemacht. Die Blockade der einen zentralen Strassen reicht ja.

Aber noch etwas duerfte sicher sein. Eine Fahrt mit der Seilbahn duerfte kuenftig zum Standardprogramm jedes La-Paz-Touristen gehoeren.

 

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