grimo auf reisen

die welt liegt uns zu füßen

Monkey Island

Die Gibbonmutter auf Monkey IslandSteph holt uns mit dem Boot ab. Vom Anleger am Headquarter des Cat Tien Nationalparks geht es gerade mal 200 Meter den Fluss hoch und schon legen wir auf Monkey Islands an. Hier wurde vor ein paar Jahren eine Station aufgebaut, die Affen nach langen Jahren in Gefangenschaft wieder an die Natur gewoehnen will. Das grosse Ziel: in diesem Jahr soll erstmals ein Gibbon-Paerchen ausgewildert werden.

Steph, eine junge Englaenderin, kam vor gut einem Jahr als Reisende hier vorbei. Weil es ihr gefiel, hat sie zunaechst einen Monat als Freiwillige hier gearbeitet. Und ist dann kurz darauf endgueltig hergekommen. Heute kennt sie jeden Affen beim Namen. Und die Geschichten dahinter. Affen werden bis heute in Vietnam als Haustiere gehalten – haeufig  als eine Art Maskottchen an Tankstellen. Zwar ist der Handel mit solchen Wildtieren verboten, dennoch kam die Polizei bisher nicht dagegen an. Bis vor wenigen Jahren habe die Polizei privat gehaltene Tiere zwar beschlagnahmen koennen, dann aber nicht gewusst, wohin damit, erzaehlt Steph. Der einzige Ausweg: die Polizei habe die Affen dann wieder an Tierhaendler weitergeben. Und damit habe alles von vorne begonnen.

Deshalb sei diese Station auf einer Flussinsel neben dem Cat Tien Nationalpark entstanden.  Betrieben wird sie von einer kleinen Organisation namens E.A.S.T. Einige kleiner Wildtiere wurden in den letzten Jahren hier bereits so seht an das Leben in der Wildnes gewoehnt, dass sie im Nationalpark ausgesetzt werden konnten. Mit den groesseren Gibbon ist das noch nicht gelungen. Derzeit leben 28 Gibbons auf Monkey Island. Die meisten werden nach einem Gesundheitscheck derzeit noch in grossen Kaefigen an das Leben mit anderen Artgenossen und an das im Wald vorhandene Essen gewoehnt. Ein Gibbonpaerchen befindet sich bereits seit Monaten auf einem abgetrennten Teil der Insel. Dort koennen sie sich quasi wie in freier Wildbahn bewegen, bleiben aber dennoch unter Beobachtung. Ein weiteres Gibbon-Paar, das vor sieben Wochen ein Baby bekommen hat, soll ebenfalls moeglichst bald in Cat Tien ausgesetzt werden – zusammen mit einem GPS-Sender, der zumindest in den ersten Monaten erlaubt, das weitere Leben der Tiere zu verfolgen. Es gehe nicht nur um die Auswilderung der Tiere, betont Steph. Man sei auch bemueht, Standards fuer diesen Prozess zu setzen.

Steph erzaehlt begeistert von nahezu allen Tieren hier auf der Insel. Nur bei einer Frage weicht sie aus. Wenn man wissen will, wie die Vietnamesen aus den Nachbardoerfern darauf reagieren, dass hier Affen zum Teil ueber Jahre mit grossem Aufwand gepaeppelt werden, waehrend sie selbst in relativ bescheidenen Verhaeltnissen leben, erzaehlt Steph nur von den Jobs, die Vietnamesen hier als Helfer, Tierpfleger und Parkwaechter bekommen. Und dass das alles ein sehr langer Prozess sei, bis auch die vietnamesische Gesellschaft das ganze Projekt verstehe und akzeptiere. Dennoch gebe es bereits deutliche Fortschritte. Anders als vor 20 Jahren wuerden Gibbons heute nicht mehr als Haustiere auf den Maerkten angeboten. Eine Schwarzhandel gerade fuer den Export aber gebe es leider immer noch.

Und dann erklaert uns Steph noch, warum es im Cat Tien Nationalpark so auffaellig viele junge Baeume gibt. Mal wieder ist der Krieg Schuld. Die Amerikaner haetten mit Napalm und Agent Orange mindestens ein Viertel des Waldes vernichtet. Es sei ein Wunder, dass das Reservat sich einigermassen schnell erholt habe. Und dass die Gibbon-Population mit heute rund 2.000 Tieren die groesste in ganz Vietnam sei.

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