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Uxmal. Ich, sagt die große Pyramide

Das war natürlich die Frage: wird es, wenn man Chichen Itza und Ek’Balam schon gesehen hat, nicht etwas langweilig, wenn man weitere Maya-Ruinen abklappert, bei denen auch wieder nur eine Pyramide etc. im Wald rumsteht? Die Antwort finde ich in Uxmal. Und sie heißt: Nein, nein und nochmals nein.

Denn spätestens bei der dritten Ruinenstadt beginnt man, die Unterschiede zu erkennen, sich für die Details zu begeistern – und sich dadurch aufs neue begeistern zu lassen. Vor allem in Uxmal.

Denn hier sind die Ruinen besonders beeindruckend. Weil sie genau das wollen: beeindrucken. Das habe ich schon in der kleinen Ausstellung im Museo Antropologico in Merida erfahren: in Uxmal wurden die Gebäude im Puuc-Stil gebaut. Sie haben typischerweise ein Erdgeschoss mit sehr schlichter, glatter Fassade, die nur von Eingangstüren oder mehreren Säulen unterbrochen wird. Darüber aber thront das wuchtige Obergeschoss das eben genau nur eine Aufgabe hat: beeindrucken!

Und das tun sie noch heute.

Über und über verzierte Fassaden, geschmückt mit Stuckfiguren, die Vögel oder Schlangen darstellen. Bei einem bestimmt 20 Meter breiten Gebäude zieht sich an der Seite zum großen Hof über die gesamte Fassade ein Schlangenkörper, der sich mehrfach mal wie ein geflochtener Zopf um sich selbst windet, mal rechtwinklig abknickt, um anderen Stuckelementen einen Rahmen zu geben, und der schließlich in einen großen, dreidimensional aus der Mauer ragenden Kopf mündet, der sehr an chinesische Drachendarstellungen erinnert.

Und da ist nur eins der vielen Details.

Die ganze Anlage und den sie umgebenden Wald überragt die 35 Meter hohe zentrale Pyramide. Anders als die in Chichen Itza ist diese hier nicht auf einem perfekt quadratischen Grund gebaut. Auch gehorchen die Seiten keinesfalls den strengen Gesetzen einer mathematischen Geometrie, sie sind zum Teil sogar etwas schief. Vor allem aber ist die Pyramide von Uxmal viel steiler, sie strebt förmlich noch oben, strahlt eine massige Kraft aus, wirkt wie ein Ausrufezeichen im Wald. Hier bin ich, sagt die Pyramide. Mit einer deutlichen Betonung auf dem Ich.

Impressionante! Beeindruckend, wie gesagt.

Besteigen darf man die Pyramide nicht. Aber es gibt noch den auf einem Hügel erbauten, großen templo del gobernador und eine weitere, nur halb ausgegrabene Pyramide mit einer fast 100-stufigen, sehr steilen Treppe. Von diesen beiden Gebäuden hat man nicht nur einen wunderbaren Ünerblick über das gesamte Areal und die alles überragende große Pyramide. Man spürt unweigerlich auch, wofür sie gebaut wurden.

Adela, eine junge Argentinierin, die im Bus nach Uxmal neben mir saß, stellt sich gleich auf einen emporenartigen Vorsprung oben an der Treppe und beginnt theatralisch zu dem gemeinen Pöbel dort unten zu reden.

Wenn man sich Zeit lässt, ist man nach zweieinhalb Stunden gut durch mit dem Gelände, selbst wenn man auch einen unscheinbar aussehenden Seitenweg getestet hat, der nach wenigen Metern zu einem abseits liegenden Platz führt, der – wenn man den Knochen- und Totenkopffresken hier glaubt – vielleicht als Friedhof genutzt wurde.

Am Ausgang erfahren wir, dass der nächste Bus zurück nach Merida erst in zwei Stunden fährt. Also spazieren wir nochmal zurück über das Gelände und finden einen Wegweiser zum templo de los falos. Ein sehr schmaler und offensichtlich nur selten genutzter Trampelpfad durch den dicht wuchernden Wald führt uns nach etwa 10 Minuten zu einem großen Schild, das behauptet, hier sei der noch unausgegrabene Tempel. Doch man sieht ihn vor lauter Bäumen nicht. Erst auf den zweiten Blick fällt uns auf, dass der Weg ein paar Meter weiter sanft auf eine ebenfalls dicht mit Bäumen bewachsene Anhöhe führt, die wie vor allem aus Steinen besteht. Das also ist er, der Tempel, von dem die Archäologen ehrlicherweise nicht einmal wissen, ob es ein Tempel oder ein irgendwie anderweitig genutztes Gebäude war. Sicher ist nur, dass hier einige kleinere, phallusartige Säulen gefunden wurden. Daher der Name.

Wir genießen ein wenig die Stille. Oder das Zirpen und Pfiepen der Fauna. Adela fallen kurz die Augen zu. Sie ist heute Morgen erst in Merida mit dem Nachtbus aus Palenque angekommen. Heute Abend will sie weiter mit dem nächsten Nachtbus zur Isla Holbox. Ihre Reise gestartet hat sie in Kalifornien, dann ging es einmal quer durch Mexiko und sie will noch bis Costa Rica. Und das alles in nur sechs Wochen. Es gibt Leute, die es eilig haben.

Praktische Infos: hier.

One response to “Uxmal. Ich, sagt die große Pyramide”

  1. […] das westliche Yucatan prägte. Die Ruinenstädte in der Nähe von Merida, zum Beispiel die von Uxmal wurden in diesem Stil […]

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